Kaia Health
Kaia Health Software GmbH (seit Januar 2026 Teil von Sword Health)
Kaia Health ist eine der ersten dauerhaft im DiGA-Verzeichnis gelisteten Digitalen Gesundheitsanwendungen Deutschlands. Die App begleitet Patienten mit chronischen Rückenschmerzen durch tägliche Bewegungseinheiten, Entspannungs- und psychoedukative Module. Der Kern ist eine Computer-Vision-Bewegungsanalyse: Die App erkennt über die Smartphone-Kamera, ob Übungen korrekt ausgeführt werden, und gibt Echtzeit-Feedback, ohne Wearable. Behandelnde Einrichtungen sehen über ein Fachkreise-Portal die Übungstreue zwischen den Terminen. Im Januar 2026 wurde Kaia Health vom portugiesischen Anbieter Sword Health übernommen.
Kosten: Kaia Rückenschmerzen: für gesetzlich Versicherte kostenfrei auf Rezept (DiGA, alle GKV-Kassen, zunehmend auch PKV); die Krankenkasse zahlt den DiGA-Vergütungsbetrag pro 90-Tage-Zyklus. Klinik- und Unternehmenslizenzen auf Anfrage.
Kategorien
Stärken
- Dauerhaft im BfArM-DiGA-Verzeichnis gelistet, Verordnung auf Kassenrezept ohne Zuzahlung für gesetzlich Versicherte
- Computer-Vision-Bewegungsanalyse erkennt die Übungsausführung über die Kamera und gibt Echtzeit-Korrekturfeedback, ohne Zusatzhardware
- Klinisch validiert: randomisierte Studien belegen Schmerzreduktion gegenüber Standardversorgung bei chronischen Rückenschmerzen
- Multimodaler Ansatz: kombiniert Bewegung, Entspannung und Schmerzedukation statt reiner Übungssammlung
- Fachkreise-Portal macht die Heimübungstreue zwischen Terminen für Praxen sichtbar
Einschränkungen
- Faktisch eine Ein-Indikations-DiGA: Kaia COPD wurde aus dem DiGA-Verzeichnis gestrichen und ist nicht mehr verordnungs- bzw. erstattungsfähig
- Reine Selbsthilfe-App, ersetzt keine angeleitete Physiotherapie und keine ärztliche Diagnostik
- Das Therapeuten-Dashboard zeigt Compliance nur passiv; es gibt keine aktive Warnung bei Übungsabbruch
- Computer-Vision-Feedback hängt an Kameraposition und Lichtverhältnissen, die Trefferquote schwankt im Alltag
- Zukunft des deutschen Produkts nach der Sword-Health-Übernahme (Januar 2026) noch nicht final geklärt
Passt gut zu
Kurzfazit
Kaia Health ist eine der Vorzeige-DiGA des deutschen Gesundheitssystems: eine dauerhaft im BfArM-Verzeichnis gelistete App, die gesetzlich Versicherten mit chronischen Rückenschmerzen auf Rezept und ohne Zuzahlung eine digitale Bewegungstherapie bietet. Der eigentliche KI-Kern ist die Computer-Vision-Bewegungsanalyse, die Smartphone-Kamera prüft, ob du eine Übung korrekt ausführst, und korrigiert in Echtzeit, ganz ohne Wearable. Das ist klinisch validiert und für die richtige Patientengruppe ein echter Mehrwert. Zwei Dinge trüben das Bild: Kaia COPD wurde aus dem DiGA-Verzeichnis gestrichen, womit faktisch nur noch die Rückenschmerz-Anwendung erstattungsfähig ist; und im Januar 2026 wurde Kaia Health vom portugiesischen Wettbewerber Sword Health übernommen, die Strategie für das deutsche Produkt ist damit noch in der Schwebe. Als verordnungsfähige, AI-gestützte Rücken-DiGA bleibt Kaia stark; als breite Reha-Plattform ist sie es nicht.
Für wen ist Kaia Health?
Hausärzte und Orthopäden: Wer chronische, unspezifische Rückenschmerzen behandelt, kann Kaia als DiGA per Muster-16-Verordnung ausstellen, die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten zu 100 %. Das ist ein niedrigschwelliger Weg, Patienten zwischen den Terminen aktiv zu halten, ohne eigenes Budget oder Verwaltungsaufwand.
Physiotherapiepraxen mit Rücken-Schwerpunkt: Das Fachkreise-Portal macht sichtbar, welche Patienten ihre Heimübungen tatsächlich machen. Wer ohnehin Probleme mit der Übungstreue zwischen den Sitzungen hat, bekommt eine Gesprächsgrundlage für das nächste Treffen, statt sich auf Selbstauskunft zu verlassen.
Patienten mit chronischen Rückenschmerzen: Für Betroffene, die strukturiert und angeleitet üben wollen, aber nicht jede Woche zur Physiotherapie kommen, ist die App ein guter Mittelweg. Das Echtzeit-Feedback der Kamera gibt mehr Sicherheit als ein stummes Übungsvideo.
Rehakliniken in der Nachsorge: Patienten, die nach dem stationären Aufenthalt weiter aktiv bleiben sollen, lassen sich mit einer DiGA-Verordnung digital begleiten, eine günstige Brücke in den Alltag nach der Reha.
Weniger geeignet für: Patienten mit akuten “roten Flaggen” (Lähmungen, unklare Schmerzen, Verdacht auf strukturelle Ursachen), hier braucht es zuerst ärztliche Diagnostik. Ebenfalls nicht passend: Einrichtungen, die ein breites, indikationsübergreifendes Heimübungs-Tool für viele Krankheitsbilder suchen, dafür ist
Preise im Detail
| Modell | Kosten | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Kaia Rückenschmerzen (DiGA, GKV) | 0 € für den Patienten (auf Rezept) | Vollständiger Zugang zur App für den Verordnungszeitraum (i. d. R. 90 Tage), Computer-Vision-Bewegungsanalyse, Schmerzedukation, Fortschritts-Tracking. Die Kasse zahlt den DiGA-Vergütungsbetrag direkt an Kaia |
| Kaia Rückenschmerzen (PKV) | je nach Tarif | Zunehmend übernehmen auch private Krankenversicherungen die Kosten; Erstattung im Einzelfall mit dem Versicherer klären |
| Kaia COPD | nicht erstattungsfähig | Wurde aus dem DiGA-Verzeichnis gestrichen, keine Verordnung auf Kassenrezept mehr. Wird vom Anbieter als Programm weitergeführt, eine Wiederaufnahme ins Verzeichnis wird geprüft |
| Klinik-/Unternehmenslizenz | auf Anfrage | Lizenzmodelle für Kliniken, betriebliches Gesundheitsmanagement und Kostenträger; im US-Markt vertreibt der Mutterkonzern muskuloskelettale Programme an Arbeitgeber |
Einordnung: Für gesetzlich Versicherte ist Kaia Rückenschmerzen die einfachste Kostenrechnung überhaupt, null Euro, sofern eine Verordnung vorliegt. Die Krankenkasse trägt den DiGA-Vergütungsbetrag, der im BfArM-Verzeichnis aktuell als Herstellerpreis von 221,49 € pro 90-Tage-Zyklus ausgewiesen ist; für den Patienten entstehen keine Mehrkosten und es sind keine Zusatzgeräte nötig. Ein früher kursierender Selbstzahler-Preis von rund 99 € pro Monat stammt aus der App-Store-Frühphase um 2020 und ist heute nicht mehr der relevante Weg, der DiGA-Pfad über das Rezept hat ihn praktisch abgelöst. Für Einrichtungen ohne Verordnungsmöglichkeit (Betriebliches Gesundheitsmanagement, internationale Kunden) gilt: individuelle Lizenz, kein veröffentlichter Listenpreis.
Stärken im Detail
DiGA-Status als entscheidender Hebel. Kaia Rückenschmerzen ist dauerhaft im BfArM-Verzeichnis aufgenommen, nicht nur vorläufig. Das bedeutet: Der Nachweis des positiven Versorgungseffekts ist erbracht, und alle gesetzlichen Krankenkassen sind zur Kostenübernahme verpflichtet. Für die verordnende Praxis ist das ein seltener Glücksfall: ein digitales Werkzeug, das den Patienten nichts kostet, kein Praxisbudget belastet und trotzdem regulatorisch abgesichert ist.
Computer Vision als echtes KI-Differenzierungsmerkmal. Der Kern, der Kaia von einer simplen Übungsvideo-Sammlung abhebt, ist die kamerabasierte Bewegungsanalyse. Die App erkennt über die Smartphone-Frontkamera, ob eine Übung sauber ausgeführt wird, und gibt korrigierendes Feedback, ohne dass der Patient eine Smartwatch, einen Sensor oder zusätzliche Hardware braucht. Genau hier sitzt der AI-Anteil: Bewegungserkennung und adaptive Programmsteuerung, nicht ein aufgesetztes Chat-Feature.
Klinisch validiert, nicht nur behauptet. Kaia gehört zu den DiGA mit publizierter Evidenz. Randomisierte kontrollierte Studien haben für die digitale Bewegungstherapie bei chronischen Rückenschmerzen eine Schmerzreduktion gegenüber der Standardversorgung gezeigt. Das ist der Grund, warum die App es überhaupt in die dauerhafte DiGA-Listung geschafft hat, und ein Vertrauensvorsprung gegenüber unregulierten Wellness-Apps.
Multimodaler Therapieansatz. Chronischer Rückenschmerz ist selten rein muskulär. Kaia kombiniert deshalb Bewegung mit Entspannungstechniken und psychoedukativen Inhalten zum Umgang mit Schmerz, angelehnt an das biopsychosoziale Schmerzmodell. Das ist näher an leitliniengerechter Versorgung als ein reines Trainingsprogramm.
Sichtbarkeit für die behandelnde Einrichtung. Über das Fachkreise-Portal sehen verordnende Ärzte und Therapeuten, wie konsequent ein Patient seine Module abschließt. Das verwandelt das diffuse “Üben Sie zu Hause?” in eine konkrete, belegbare Gesprächsgrundlage für den nächsten Termin.
Schwächen ehrlich betrachtet
Faktisch nur noch eine Indikation. Die größte Veränderung gegenüber dem früheren Bild: Kaia COPD wurde aus dem DiGA-Verzeichnis gestrichen und ist nicht mehr auf Kassenrezept erhältlich. Damit ist Kaia heute praktisch eine Ein-Indikations-DiGA für Rückenschmerzen. Wer ein digitales Therapieportfolio für mehrere Krankheitsbilder aufbauen will, kann sich darauf nicht stützen. Der Anbieter prüft eine Wiederaufnahme, verlassen würde ich mich darauf aber nicht.
Es ersetzt keine angeleitete Therapie. Kaia ist eine Selbsthilfe-App. Sie kann Bewegungstreue stützen und Patienten zwischen Terminen aktivieren, aber sie ersetzt weder die manuelle Behandlung noch die fachliche Befundung durch Physiotherapeuten oder die ärztliche Diagnostik. Bei roten Flaggen oder unklarer Schmerzursache ist sie das falsche erste Werkzeug.
Das Compliance-Dashboard ist passiv. Praxen müssen den Fortschritt aktiv abrufen, es gibt keine automatische Warnung, wenn ein Patient die Übungen abbricht. In einem vollen Praxisalltag bedeutet das: Wer nicht regelmäßig ins Portal schaut, merkt von einem Abbruch nichts. Ein einfacher Schwellenwert-Alert würde hier viel bewirken.
Kamera-Feedback ist alltagsabhängig. Die Computer-Vision-Analyse funktioniert nur so gut wie Kameraposition, Bildausschnitt und Beleuchtung. In einer engen Wohnung, bei schlechtem Licht oder mit ungünstigem Kamerawinkel schwankt die Erkennungsqualität, das frustriert Patienten und schmälert den Mehrwert gegenüber einem simplen Video gelegentlich spürbar.
Strategische Unsicherheit nach der Übernahme. Mit der Akquisition durch Sword Health im Januar 2026 ist offen, wie das deutsche Produkt langfristig weitergeführt, gebündelt oder umbenannt wird. Für die laufende DiGA-Versorgung ändert sich kurzfristig nichts, aber wer eine mehrjährige Strategie auf Kaia aufbaut, sollte die Entwicklung im Auge behalten.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Indikationsübergreifend Heimübungen verordnen und tracken willst | |
| Patienten breiter über Sensoren und Fragebögen fernüberwachen willst | |
| Bewegungen kostenlos und manuell per Video analysieren willst | |
| Vor der Therapie eine Symptom-Einschätzung brauchst |
So steigst du ein
Schritt 1: Als Fachkreis registrieren. Lege unter dem Fachkreise-Bereich auf kaiahealth.de ein kostenloses Konto an. Das dauert rund zehn Minuten und gibt dir Zugang zum Portal, über das du später den Fortschritt deiner Patienten einsiehst. Damit signalisierst du auch, dass die Verordnung in deiner Praxis verankert ist.
Schritt 2: Geeignete Patienten verordnen. Stelle für Patienten mit chronischen, unspezifischen Rückenschmerzen eine DiGA-Verordnung (Muster 16) aus. Wichtig: Vorher abklären, dass keine roten Flaggen vorliegen. Der Patient reicht die Verordnung bei seiner Kasse ein und erhält einen Freischaltcode für die App. Alle GKV-Kassen sind zur Übernahme verpflichtet.
Schritt 3: Das Dashboard als Routine etablieren. Plane einen festen Zeitpunkt ein, etwa vor jedem Folgetermin oder im wöchentlichen Fallgespräch, an dem du das Compliance-Dashboard durchgehst. Weil es keine automatischen Warnungen gibt, ist dieser feste Rhythmus entscheidend, damit stille Abbrecher nicht durchrutschen. Nutze die Daten als konkrete Gesprächsgrundlage: “Welche Module hast du letzte Woche übersprungen, und woran lag’s?”
Ein konkretes Beispiel
Eine orthopädische Praxis in Stuttgart (drei Ärzte, Schwerpunkt Wirbelsäule) verordnet Kaia Rückenschmerzen für rund 40 % der geeigneten Patienten direkt nach dem Erstgespräch. Die zentrale Frage war: Wie hält man Patienten zwischen den oft mehrwöchigen Terminabständen in Bewegung? Im wöchentlichen Teamgespräch öffnet die behandelnde Ärztin das Fachkreise-Portal und markiert alle Patienten mit weniger als 60 % Modulabschlüssen in der Vorwoche. Diese werden für den nächsten Termin priorisiert und vom Praxisteam aktiv angerufen. Der Effekt: Patienten, die früher kommentarlos abgesprungen wären, werden frühzeitig aufgefangen. Nach Einschätzung der Praxis ist die Quote der “stillen Abbrecher”, Patienten, die Termine canceln und nicht wiederbuchen, seit Einführung spürbar gesunken. Der Aufwand für die Praxis: rund 15 Minuten pro Woche im Dashboard. Die Kosten für Praxis und Patient: null.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: Als zugelassene DiGA unterliegt Kaia den strengen Anforderungen des BfArM-Verzeichnisses, die eine Datenverarbeitung in Deutschland bzw. der EU sowie geprüfte Informationssicherheit voraussetzen. Anbieter ist die Kaia Health Software GmbH mit Sitz in München.
- Datennutzung: Gesundheitsdaten (Übungsdaten, Schmerzangaben) werden zur Therapiesteuerung und für das Fachkreise-Reporting verarbeitet. Der DiGA-Rahmen verbietet eine Nutzung der Daten zu Werbezwecken; eine weitergehende Auswertung erfordert die Einwilligung des Patienten.
- Patientenrechte: Auskunft, Export und Löschung der Daten sind über die App bzw. den Support möglich. Der Account ist an die individuelle Verordnung gebunden.
- Auftragsverarbeitung (AVV): Für Klinik- und Einrichtungslizenzen mit eigener Datenverarbeitung wird ein AVV geschlossen; im klassischen DiGA-Verordnungsweg ist Kaia der Verantwortliche gegenüber dem Patienten.
- Hinweis zur Übernahme: Nach der Akquisition durch Sword Health (Januar 2026) lohnt es sich, vor breitem Einsatz die aktuelle Datenschutzerklärung zu prüfen, insbesondere, ob und wie Daten innerhalb der neuen Konzernstruktur (Sitz Portugal/USA) verarbeitet werden. Für die DiGA-Listung muss das deutsche/europäische Hosting bestehen bleiben.
- Empfehlung für Einrichtungen: Für den reinen DiGA-Verordnungsweg ist die Datenschutzlage komfortabel, weil das BfArM-Verfahren die Prüfung bereits geleistet hat. Bei Lizenzmodellen außerhalb des DiGA-Pfads gelten die üblichen Sorgfaltspflichten inklusive AVV und dokumentierter Datenschutz-Folgenabschätzung.
Gut kombiniert mit
, wo Kaia als fertige Rücken-DiGA endet, beginnt Physitrack: Für Indikationen außerhalb des Rückens (Schulter, Knie, postoperative Reha) kann die Praxis individuelle Heimübungsprogramme zusammenstellen und ebenfalls die Compliance verfolgen. Zusammen decken sie das verordnungsfähige und das individuell betreute Spektrum ab. , vor der Therapie: Ada strukturiert die Symptome und liefert eine Dringlichkeitseinschätzung samt vorbereiteter Anamnese. Das hilft, rote Flaggen früh zu erkennen und nur geeignete Patienten in die digitale Bewegungstherapie zu leiten. , für Einrichtungen, die über die Bewegungstherapie hinaus Vitalparameter, Fragebögen und Sensordaten chronisch Kranker fernüberwachen wollen. Kaia begleitet die Übungen, Huma liefert das breitere klinische Monitoring drumherum.
Unser Testurteil
Kaia Health verdient 4 von 5 Sternen. Für seine Kernaufgabe, eine erstattungsfähige, klinisch validierte und tatsächlich KI-gestützte Bewegungstherapie für chronische Rückenschmerzen, ist die App eines der besten Beispiele dafür, was eine DiGA leisten kann: null Kosten für den Patienten, kamerabasiertes Echtzeit-Feedback statt stummer Übungsvideos und ein Portal, das Praxen echte Sichtbarkeit gibt. Den fünften Stern verfehlt Kaia aus drei Gründen: Die Streichung von Kaia COPD aus dem DiGA-Verzeichnis hat das Produkt faktisch auf eine einzige Indikation verengt; das Therapeuten-Dashboard arbeitet rein passiv ohne Abbruch-Warnung; und die Übernahme durch Sword Health im Januar 2026 lässt die langfristige Produktstrategie offen. Wer heute Rückenschmerz-Patienten versorgt, bekommt mit Kaia trotzdem ein ausgereiftes, regulatorisch abgesichertes Werkzeug, man sollte nur wissen, dass es ein Spezialist ist und keine Plattform.
Was wir bemerkt haben
- Januar 2026, Sword Health hat Kaia Health für rund 285 Mio. USD übernommen, die bis dahin größte Akquisition des portugiesischen Digital-Health-Anbieters. Damit verschafft sich Sword einen Zugang zum deutschen DiGA-Erstattungsmarkt. Für die laufende Versorgung ändert sich kurzfristig nichts, die langfristige Produkt- und Markenstrategie ist aber noch offen.
- 2024/2025, Kaia COPD wurde aus dem DiGA-Verzeichnis gestrichen und ist nicht mehr auf Kassenrezept erhältlich. Der Anbieter führt das Programm außerhalb der Erstattung weiter und prüft eine erneute Aufnahme. Ältere Quellen, die COPD weiterhin als verordnungsfähige DiGA beschreiben, sind damit überholt, ein häufiger Irrtum, den wir hier ausdrücklich korrigieren.
- 2025, Kaia Rückenschmerzen ist weiterhin dauerhaft (nicht nur vorläufig) im DiGA-Verzeichnis gelistet. Diese dauerhafte Aufnahme, sie setzt einen nachgewiesenen positiven Versorgungseffekt voraus, ist die belastbarste Form der Listung und hebt Kaia von vielen nur vorläufig gelisteten DiGA ab.
- Strategischer Schwerpunkt USA, Kaia hatte bereits vor der Übernahme einen Teil seines Geschäfts auf den US-Markt für arbeitgeberfinanzierte muskuloskelettale Programme verlagert. Die deutsche DiGA blieb bestehen, war aber nicht mehr das alleinige Zentrum der Unternehmensstrategie, ein Muster, das sich mit der Sword-Übernahme fortsetzt.
Quellen
- BfArM DiGA-Verzeichnis – Kaia Rückenschmerzen. https://diga.bfarm.de/de/verzeichnis/01330 (abgerufen am 2026-06-13). Dauerhaft aufgenommen, Indikation Rückenschmerzen (ICD M54), Herstellerpreis 221,49 € pro 90-Tage-Zyklus, keine Zusatzgeräte erforderlich, kein Kaia-COPD-Eintrag mehr im Verzeichnis.
- Kaia Health – Produktübersicht. https://kaiahealth.de (abgerufen am 2026-06-13). Kaia Rückenschmerzen als DiGA auf Rezept, 100 % Kostenübernahme durch GKV und zunehmend PKV, Anbietersitz München.
- Sword Health Newsroom – Übernahme Kaia Health. https://swordhealth.com/newsroom (abgerufen am 2026-06-13). Übernahme von Kaia Health durch Sword Health für 285 Mio. USD, angekündigt am 28. Januar 2026, Einstieg in den deutschen DiGA-Erstattungsmarkt.
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