Octopart
Nexar Inc. (Teil des Altium-Konzerns, jetzt Renesas)
Octopart ist die weltweit meistgenutzte Suchmaschine für elektronische Bauteile, betrieben von Nexar (Teil des Altium-Konzerns, seit 2024 unter Renesas) und kostenlos über octopart.com nutzbar. Die Plattform aggregiert Verfügbarkeit, Preise und Datenblätter von Hunderten Distributoren (Mouser, Farnell, DigiKey, RS Components, Conrad u.v.m.) in Echtzeit, entweder per Browser-Suche oder per Nexar-GraphQL-API für automatisierte Abfragen.
Kosten: Kostenlose Websuche ohne Login; Nexar API: Evaluation (bis 100 matched parts, gratis), Standard (bis 2.000), Pro (bis 15.000), Enterprise (unbegrenzt); Preise für Standard/Pro/Enterprise nur auf Anfrage
Stärken
- Echtzeit-Preisvergleich über alle großen Distributoren (Mouser, Farnell, DigiKey, RS, Conrad) in einer Abfrage
- Kostenloser Webzugriff, kein Account, kein Setup, sofort nutzbar für manuelle Recherchen
- Nexar API (GraphQL) ermöglicht automatisierte Abfragen für ERP-Integration und Preismonitoring
- Lagerbestand und Lieferzeiten in Echtzeit, kein manuelles Distributoren-Anklicken mehr nötig
- Teil des Altium-Ökosystems, Integration in Altium Designer und Altium 365 möglich
- BOM-Upload (CSV, XLS) für Stücklisten-Massenabfragen mit aggregierter Verfügbarkeitsübersicht
Einschränkungen
- US-Hosting ohne EU-Option; für reine Preisabfragen ohne persönliche Daten unkritisch, für automatisierte API-Workflows mit ERP-Daten heikler
- API-Nutzung über Nexar erfordert Registrierung; höhere Volumina kostenpflichtig (Preise nur auf Anfrage)
- Preisdaten sind Listenpreise der Distributoren, Sonderkonditionen und Rahmenverträge werden nicht abgebildet
- Für Graumarkt-Quellen, Off-List-Distributoren und Obsolescence-Risiken keine Tiefenanalyse
- Kein deutschsprachiger Support, Interface ausschließlich auf Englisch
- KI-Komponenten beschränkt: semantische Suche und Klassifikation, aber kein agentisches Sourcing oder Compliance-Reasoning
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du brauchst schnellen Preisvergleich für elektronische Bauteile über mehrere Distributoren
- Du willst Verfügbarkeit und Lieferzeiten in einer Abfrage statt fünf Distributor-Tabs
- Du baust eine automatisierte Bauteilrecherche oder ein BOM-Monitoring per API
- Du arbeitest ohnehin im Altium-Ökosystem (Altium Designer, Altium 365)
Wann nein
- Du brauchst tiefe Obsolescence- oder Lifecycle-Analysen (dafür ist SiliconExpert besser geeignet)
- Deine Lieferketten laufen über Graumarkt oder Off-List-Distributoren
- Du verlangst zwingend deutsche Sprache und EU-Datenhosting
- Du brauchst Rahmenvertragspreise oder individuelle Sonderkonditionen abgebildet
Kurzfazit
Octopart ist der Default für Bauteilrecherche im Web, kostenlos, schnell und mit einer Distributoren-Abdeckung, die kein anderes Tool erreicht. Wer als Entwickler oder Einkäufer in der Elektronikbranche arbeitet, hat Octopart in den meisten Fällen ohnehin schon offen. Die KI-Komponenten halten sich in Grenzen (semantische Suche, Klassifikation), aber für das Kerngeschäft Preis- und Verfügbarkeitsvergleich ist das Tool kaum zu schlagen. Wer mehr braucht, tiefe Lifecycle-Analysen, Compliance-Prüfungen, Obsolescence-Forecasts, landet bei spezialisierten Lösungen wie SiliconExpert. Für die alltägliche BOM-Arbeit reicht Octopart aber fast immer aus.
Für wen ist Octopart?
Elektronikentwickler: Schaltungsentwurf, Bauteilauswahl, Datenblattsuche, alles in einer Oberfläche. Statt fünf Distributor-Websites durchzuklicken, gibst du die Teilenummer einmal ein und siehst sofort, wo das Bauteil verfügbar ist, was es kostet und ob es noch produziert wird.
Einkäufer & Beschaffung: Preisvergleich über alle relevanten Distributoren in Sekunden. Besonders nützlich bei BOM-Uploads (Stücklisten mit mehreren Hundert Positionen), Octopart bewertet die gesamte Liste und zeigt, welche Distributoren-Kombination die günstigste Beschaffung ergibt.
Altium-Designer-Nutzer: Direkte Integration in den EDA-Workflow, Bauteile aus Octopart können mit Datenblättern, Symbolen und Footprints (über SnapEDA, Ultra Librarian) übernommen werden. Wer ohnehin in Altium 365 arbeitet, hat Octopart als ständigen Begleiter.
Entwickler-Teams mit API-Workflows: Die Nexar GraphQL-API erlaubt automatisierte Abfragen, Preismonitoring, Verfügbarkeitsalerts, Lieferzeit-Trends für strategische Komponenten. Für Teams, die Sourcing automatisieren wollen, ist die API der Hebel.
Kleine und mittlere EMS-Dienstleister: Wer kein eigenes Sourcing-Tool oder Preisbenchmarking-System hat, deckt mit Octopart 80 % der Recherchearbeit ab, kostenlos für manuelle Abfragen, günstig für moderate API-Volumina.
Weniger geeignet für: Großbetriebe mit komplexen Compliance-Anforderungen (REACH, RoHS, Conflict Minerals, dafür ist SiliconExpert besser), Sourcing-Teams mit starkem Fokus auf Lifecycle-Risiken und Obsolescence-Forecasts, sowie Anwender, die deutschsprachigen Support oder EU-Datenhosting für API-Workflows zwingend brauchen.
Preise im Detail
| Plan | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Octopart Web | 0 USD | Vollzugriff auf die Suchmaschine, BOM-Tool, Datenblätter, Distributoren-Preise |
| Nexar API Evaluation | 0 USD | Bis 100 matched parts, voller Feldumfang (Advanced Search, Preise, Verfügbarkeit, Lieferzeit, Lifecycle, Datenblätter, Tech-Specs, Similar Parts) |
| Nexar API Standard | auf Anfrage | Bis 2.000 matched parts, gleicher Feldumfang wie Evaluation |
| Nexar API Pro | auf Anfrage | Bis 15.000 matched parts, eingeschränkter Feldumfang (Advanced Search, Preise, Verfügbarkeit, Bilder/Beschreibungen, aber ohne Lieferzeit, Lifecycle, Datenblätter, Tech-Specs) |
| Enterprise | auf Anfrage | Unbegrenztes Volumen, voller Feldumfang inkl. ECAD-Module, AVV, SLA, dedizierter Support |
Einordnung: Für manuelle Bauteilrecherche ist Octopart komplett kostenlos, das ist die Stärke der Plattform und der Grund, warum sie sich als Quasi-Standard etabliert hat. Sobald du automatisierte Workflows aufbauen willst, kommst du um die Nexar API nicht herum. Die vier Tiers staffeln nach matched parts pro Monat: Evaluation (100), Standard (2.000), Pro (15.000), Enterprise (unbegrenzt). Achtung beim Pro-Tier: Es bietet zwar mehr Volumen, lässt aber laut Nexar-Plan-Vergleich genau die Felder weg, die für seriöses Sourcing zentral sind (Lieferzeit, Lifecycle-Status, Datenblätter, Tech-Specs). Wer diese Felder im Volumen braucht, landet faktisch bei Enterprise. Konkrete Preise für Standard, Pro und Enterprise nennt Nexar nicht öffentlich, jede produktive ERP-Anbindung erfordert also ein Pricing-Gespräch. Das ist die größte Reibung, wer schnell Klarheit über API-Kosten will, bekommt sie nicht. Für die meisten Use-Cases bleibt der kostenlose Web-Zugriff aber der primäre Hebel; die API ist Premium-Komfort für Sourcing-Teams mit echten Automatisierungsambitionen.
Stärken im Detail
Distributoren-Abdeckung ist konkurrenzlos. Octopart aggregiert Lagerbestände und Preise von Mouser, Farnell/element14, DigiKey, RS Components, Conrad, Newark, Arrow, Avnet, TTI und Dutzenden kleineren Distributoren, alles in einer Abfrage. Kein Wettbewerber bietet diese Breite in der Free-Version. Für jeden, der elektronische Bauteile beschafft, ist das die größte Zeitersparnis: zehn Minuten manuelles Klicken werden zu drei Sekunden Suche.
BOM-Tool spart Stücklisten-Stunden. Lade eine CSV oder XLS-Stückliste hoch (oder kopiere sie direkt rein), Octopart matched alle Teilenummern, zeigt Verfügbarkeit, Preisstaffeln und Lieferzeiten. Bei Stücklisten mit 100+ Positionen ersetzt das einen halben Arbeitstag, und du siehst auf einen Blick, welche Bauteile kritisch sind (low stock, single source, lange Lieferzeiten).
Nexar GraphQL-API für Automatisierung. Die API ist gut dokumentiert, GraphQL-basiert (also flexibel im Query-Design) und unterstützt typische Sourcing-Workflows: Preismonitoring, Lagerbestand-Alerts, Mehrfachvergleiche. Wer Sourcing als Pipeline aufbaut (n8n, Make, eigene Python-Skripte), kann Octopart-Daten direkt ins ERP oder PLM einspeisen.
Altium-Integration als Ökosystem-Vorteil. Da Nexar/Octopart zur Altium-Familie gehört, sind die Übergänge zu Altium Designer und Altium 365 nahtlos. Bauteile lassen sich aus der Suche direkt in den Bibliothekspfad importieren, mit Symbol, Footprint und 3D-Modell (über SnapEDA-Anbindung). Das ist für Altium-Nutzer ein echter Workflow-Vorteil gegenüber externen Suchmaschinen.
KI-gestützte semantische Suche. Octopart nutzt KI-Klassifikation, um Bauteilfamilien zu erkennen, Synonyme zu mappen und Cross-References zu finden. Wer “100nF Keramikkondensator 0603 X7R 50V” eingibt, bekommt verlässliche Treffer, auch ohne exakte Teilenummer. Das ist nicht agentisch oder revolutionär, aber solide ML-Anwendung, die im Alltag spürbar Zeit spart.
Datenblätter als zentrales Repository. Octopart hostet Hunderttausende Datenblätter direkt, kein Klick auf die Hersteller-Website nötig. Bei abgekündigten oder schwer zu findenden Bauteilen ist das oft die einzige verlässliche Quelle.
Schwächen ehrlich betrachtet
Keine echten Lifecycle- und Compliance-Analysen. Octopart zeigt, was Distributoren auf Lager haben, aber nicht, ob ein Bauteil kurz vor der Abkündigung steht, ob es RoHS-konform ist oder ob Konfliktmineralien enthalten sind. Wer diese Tiefenanalyse braucht (Medizintechnik, Automotive, Luftfahrt), kommt an spezialisierten Tools wie SiliconExpert oder IHS Markit nicht vorbei. Octopart ist die schnelle Antwort auf die Preisfrage, nicht die strategische Antwort auf die Risikofrage.
API-Pricing ist intransparent. Zwar sind die Mengenstufen öffentlich (Evaluation 100, Standard 2.000, Pro 15.000, Enterprise unbegrenzt matched parts), aber für Standard, Pro und Enterprise nennt Nexar keine konkreten Preise. Wer wissen will, was 2.000 oder 15.000 matched parts/Monat kosten, muss ein Vertriebsgespräch führen, was Frühphasen-Evaluierungen unnötig verlangsamt. Hinzu kommt eine unschöne Eigenheit: Ausgerechnet der volumenstärkere Pro-Tier streicht zentrale Felder wie Lieferzeit, Lifecycle und Datenblätter, die im günstigeren Standard-Tier enthalten sind. Für Hobbyentwickler und Kleinstprojekte ist die API jenseits der 100 Gratis-Parts damit faktisch nicht kalkulierbar.
Listenpreise spiegeln nicht die Realität. Distributoren zeigen ihre Listenpreise, aber jeder professionelle Einkäufer arbeitet mit Rahmenverträgen, Volumenstaffeln und Sonderkonditionen, die Octopart nicht kennt. Die Plattform ist ein Benchmarking-Werkzeug, kein Pricing-System. Für strategische Beschaffung muss die Octopart-Anzeige immer mit den eigenen Verhandlungsergebnissen abgeglichen werden.
US-Hosting bleibt Reibungspunkt für DSGVO-strenge Branchen. Reine Bauteilsuche ohne personenbezogene Daten ist unkritisch, sobald du aber Stücklisten mit Projektnamen, Kundenreferenzen oder internen Sourcing-Daten via API hochlädst, gilt US-Datenfluss. Für Verteidigungsindustrie, Behördenprojekte oder Hochsicherheitsbranchen ist das ein echter Stopppunkt.
Englischsprachige Oberfläche, kein DACH-Support. Octopart wird auf Englisch betrieben, Datenblätter sind ohnehin meist Englisch, aber der Support ist ausschließlich Englisch und US-Zeitzonen-orientiert. Für deutsche Einkaufsabteilungen, die regionalen Support gewohnt sind, kann das eine kulturelle Hürde sein.
KI-Funktionen sind moderat. Octopart ist primär eine Suchmaschine mit ML-Klassifikation, kein agentischer Sourcing-Agent, keine generative Empfehlung. Wer “macht eine günstige BOM-Alternative für mich, indem du obsolete Teile durch Drop-In-Replacements ersetzt” erwartet, wird enttäuscht. Solche Workflows sind in der Branche teils im Aufbau, aber bei Octopart 2026 noch nicht produktiv.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Tiefe Obsolescence- und Lifecycle-Analysen brauchst | SiliconExpert |
| Vollwertige EDA-Suite mit integrierter Bauteilbibliothek willst | Altium Designer |
| Eine reine Preissuchmaschine ohne Altium-Bindung suchst | Findchips (kein eigenes Profil) |
Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: Findchips (sehr ähnlicher Ansatz, ebenfalls etablierter Preisvergleicher, gehört Avnet), Z2Data (starke Lifecycle- und Risk-Analysen), PartQuest Portal (Siemens-Ökosystem), SnapEDA und Ultra Librarian (eher CAD-Modelle als Preise) und IHS Markit Component Data (Enterprise-Tier-Lösung für regulierte Branchen). Für die alltägliche Bauteilsuche bleibt Octopart aber die pragmatischste erste Anlaufstelle, kein Wettbewerber kombiniert Distributoren-Breite, Free-Tier und API in vergleichbarer Form.
So steigst du ein
Schritt 1: Öffne octopart.com, keine Registrierung nötig. Gib eine Teilenummer (z. B. “STM32F103C8T6”) oder eine generische Bauteilbeschreibung (“MOSFET 60V 30A SMD”) ein. Sieh dir die Ergebnisse an: Preise nach Distributor, Lagerbestand, Lieferzeit und Datenblatt-Link in einer Übersicht.
Schritt 2: Probiere das BOM-Tool, kopiere eine kleine Stückliste (10-20 Positionen) ins BOM-Feld oder lade eine CSV hoch. Octopart matched die Teilenummern und zeigt eine aggregierte Beschaffungsübersicht. Das ist der Moment, in dem die meisten Nutzer den Aha-Effekt bekommen: Was vorher Stunden dauerte, dauert jetzt Sekunden.
Schritt 3: Wenn du automatisiert arbeiten willst, registriere dich bei nexar.com/api für den Evaluation-Plan. Lies die GraphQL-Dokumentation und teste eine Abfrage in Postman oder einem GraphQL-Client. Wenn der Use-Case trägt, gehe ins Pricing-Gespräch für die kommerzielle Stufe.
Schritt 4 (für Altium-Nutzer): Verknüpfe dein Altium-365-Konto mit Nexar. Bauteilsuchen aus dem Altium-Designer öffnen sich dann direkt in Octopart, und Datenblätter sowie CAD-Modelle landen im Bibliotheksprozess, der Sprung zwischen Schaltplan und Sourcing entfällt.
Ein konkretes Beispiel
Ein Hardware-Entwicklerteam (5 Personen) in einem Münchner IoT-Startup bereitet die Vorserie eines neuen Smart-Meters vor. Die Stückliste umfasst 87 elektronische Bauteile. Vor Octopart hat der Einkäufer manuell durch Mouser, Farnell und Conrad geklickt, rund 6 Stunden für die erste vollständige Beschaffungsanalyse. Mit Octopart-BOM-Upload sieht er in 90 Sekunden: 12 Bauteile sind bei Mouser zum günstigsten Preis verfügbar, 4 nur noch bei Farnell mit längerer Lieferzeit, 2 sind kurz vor dem Single-Source-Risiko (nur ein Distributor mit Restbestand). Auf dieser Basis ordert er die zeitkritischen Komponenten sofort vor und holt für die unkritischen ein Wettbewerbsangebot beim Hauspartner ein. Zeitersparnis: ca. 5 Stunden pro BOM-Iteration. Bei 8 Vorserien-Iterationen über zwei Monate spart das einen ganzen Personentag pro Sprint. Kostenpunkt: 0 €, die kostenlose Web-Version reicht für dieses Volumen vollständig aus.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: USA, Nexar Inc. ist eine US-Tochter des Altium-Konzerns (seit 2024 unter Renesas). Für reine Bauteilsuche ohne personenbezogene Daten datenschutztechnisch unkritisch.
- API-Nutzung mit Stücklisten: Sobald über die API Stücklisten mit Projektreferenzen, Kundennamen oder internen Sourcing-Codes übertragen werden, gilt US-Datenfluss. Für DSGVO-strenge Branchen sollten diese Felder vor dem API-Call entfernt oder pseudonymisiert werden.
- Datennutzung: Eingaben können zur Verbesserung der Such- und Klassifikationsmodelle genutzt werden. Im Enterprise-Vertrag lässt sich das vertraglich ausschließen.
- Account-Löschung: Möglich über die Nexar-Kontoeinstellungen; manuelle Anfrage an den Support für vollständige Datenlöschung.
- Auftragsverarbeitung (AVV): Für Standard-API-Pläne nicht vorgesehen; Enterprise-Kunden können auf AVV bestehen.
- Empfehlung für Unternehmen: Für reine Web-Suche freigeben. Für API-Anbindung an ERP-Systeme: API-Pfad über einen anonymisierenden Middleware-Layer leiten und Stücklisten ohne Geschäftsgeheimnisse übertragen. Für Hochsicherheits-Branchen (Verteidigung, Behörden) ist Octopart datenschutztechnisch nicht erste Wahl, dann ist ein On-Prem-Tool wie SiliconExpert sinnvoller.
Gut kombiniert mit
- Altium Designer, Schaltplan und Sourcing in einem Workflow: Bauteilsuche aus dem EDA-Tool öffnet direkt Octopart, Datenblätter und CAD-Modelle landen in der Bibliothek. Für Altium-365-Nutzer der natürliche Hebel.
- SiliconExpert, Octopart liefert Preise, SiliconExpert liefert Lifecycle-, Compliance- und Risikobewertung. Die Kombination deckt sowohl die taktische Beschaffung als auch die strategische Risikoanalyse ab.
- ERP-/PLM-Anbindung via n8n oder Make, Nexar-API-Daten lassen sich in SAP, Odoo oder eigene Tools einspeisen. Für Sourcing-Teams, die Preismonitoring oder Lagerbestand-Alerts automatisieren wollen, ist das der Hebel zur skalierbaren Beschaffung.
Unser Testurteil
Octopart verdient 4 von 5 Sternen. Für die alltägliche Bauteilsuche und den Preisvergleich ist es der Marktstandard, kostenlos, schnell, mit einer Distributoren-Abdeckung, die kein Wettbewerber erreicht. Das BOM-Tool und die GraphQL-API machen Octopart auch für automatisierte Sourcing-Workflows zur ersten Wahl. Den fünften Stern verliert es durch das intransparente API-Pricing, die fehlende Lifecycle- und Compliance-Tiefe, die für regulierte Branchen entscheidend ist, und das US-Hosting ohne EU-Option. Für 80 % aller Bauteilrecherche-Aufgaben in KMU und Entwicklerteams ist Octopart aber das richtige Werkzeug, und der Einstieg ist so reibungslos wie kaum bei einem anderen Tool dieser Kategorie.
Was wir bemerkt haben
- August 2024, Renesas Electronics hat die Übernahme von Altium für rund 9,1 Mrd. AUD abgeschlossen (umgerechnet etwa 5,9 Mrd. USD). Octopart und Nexar gehören damit jetzt zum Renesas-Konzern. Altium selbst hatte Octopart bereits 2015 übernommen. Operativ ist der Service weitgehend unverändert, langfristig könnte sich die Integration mit Renesas-Bauteilen verstärken.
- 2025, Die Nexar API hat den GraphQL-Funktionsumfang spürbar erweitert (BOM-Matching mit Confidence-Scores, erweiterte Compliance-Felder). Das Pricing für höhere Tiers bleibt aber weiterhin nur auf Anfrage.
- Juni 2026, Im Nexar-Plan-Vergleich sind vier API-Tiers dokumentiert: Evaluation (bis 100 matched parts, gratis), Standard (bis 2.000), Pro (bis 15.000) und Enterprise (unbegrenzt). Auffällig: Der teurere Pro-Tier liefert weniger Felder als Standard, ihm fehlen Lieferzeit, Lifecycle-Status, Datenblätter und Tech-Specs. Wer ältere Quellen mit “1.000 Abfragen/Monat” gelesen hat, sollte mit dieser deutlich anderen Staffelung rechnen.
- 2026, Octopart bleibt im Marktsegment “freie Bauteilsuche mit Distributoren-Aggregation” konkurrenzlos. Findchips (Avnet) ist die nächste relevante Alternative, hat aber weniger Mindshare in der Entwicklerszene.
Quellen
- Nexar – API-Übersicht. https://nexar.com/api (abgerufen am 2026-06-14). Nexar API bietet Supply-Chain-Daten aus Octoparts Datenbank, Design-Daten via Altium 365 sowie ML-/KI-gestützte Analytics; kostenloser Evaluation-Plan mit bis zu 100 matched parts.
- Nexar – Plan-Vergleich. https://nexar.com/compare-plans (abgerufen am 2026-06-14). Vier API-Tiers: Evaluation (bis 100 matched parts, gratis), Standard (bis 2.000), Pro (bis 15.000), Enterprise (unbegrenzt, custom); Preise für Standard/Pro/Enterprise nicht öffentlich.
- Wikipedia – Octopart. https://en.wikipedia.org/wiki/Octopart (abgerufen am 2026-06-14). Altium übernahm Octopart am 14.08.2015; Renesas Electronics schloss im August 2024 die Übernahme von Altium für rund 9,1 Mrd. AUD ab, Octopart ist damit indirekte Renesas-Tochter.
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