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OmniScan X4 (PAUT)

Evident Scientific (ehem. Olympus IMS, seit 2025 Teil von Wabtec)

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Industriestandard für tragbare Phased-Array-Ultraschallprüfung (PAUT). Der OmniScan X4 (seit 2024 Nachfolger des X3) scannt Schweißnähte mit elektronisch gesteuerten Schallfeldern, erzeugt S-Scan-Querschnittsbilder und speichert A-Scan-Rohdaten für die Nachauswertung. Total Focusing Method (TFM), Phase Coherence Imaging (PCI) und Plane Wave Imaging sind verfügbar; die Variante X4 128:128PR bietet 128 Pulser/Receiver für komplexe Anwendungen. Weltweit in Schiffbau, Petrochemie und Luftfahrt eingesetzt. Die Freeware OmniPC 6 ermöglicht Desktop-Nachauswertung ohne Gerät. KI-Analysefunktionen sind nicht nativ integriert, externe ML-Pipelines können OmniScan-Exportdaten (.odat) verarbeiten.

Kosten: OmniScan X4 64:128PR: ab ca. 35.000 EUR (Hardware-Bundle mit Sonde und Encoder höher). OmniScan X4 128:128PR (neueste Variante): Aufpreis gegenüber X4 64:128PR, bestehende X4 64:128PR-Geräte können auf 128:128PR aufgerüstet werden. OmniScan X3 ist seit 2024/2025 abgekündigt, Restbestände teils noch im Markt zu 25.000–45.000 EUR. OmniPC 6 Analysesoftware: Freeware (kostenlos, kein Abo).

Kategorien

Stärken

  • Branchen-Standard in der Schweißnahtprüfung, global anerkannt von Lloyd's, DNV, Bureau Veritas, ABS
  • OmniPC 6 als Freeware: Post-Processing-Analysen ohne Gerät, kompatibel mit externen KI-Daten-Pipelines
  • OmniScan X4 64:128PR und X4 128:128PR mit TFM, Phase Coherence Imaging und Plane Wave Imaging
  • Upgrade-Pfad: bestehende X4 64:128PR-Geräte lassen sich auf X4 128:128PR aufrüsten
  • A-Scan-Rohdaten exportierbar (.odat, CSV) für externe ML-Modell-Inferenz und CNN-Klassifikation
  • Robuste Hardware (IP65, 10,6-Zoll-Display, 5–7 kg) für den Feldeinsatz auf Werften und Baustellen

Einschränkungen

  • Keine integrierte KI/ML-Auswertung im Gerät, Defektklassifikation per Deep Learning erfordert externe Entwicklung
  • Erheblicher Hardware-Investment (ab 35.000 EUR aufwärts), kein SaaS-Modell, kein Mietangebot im Standard
  • Kalibrierung und Prüfablauf müssen strikt standardisiert werden, damit ML-Modelle auf Exportdaten reproduzierbar bleiben
  • OmniScan X3 ist abgekündigt, Investitions- und Ersatzteil-Planung muss den X4 als Zukunftspfad einbeziehen
  • Datenformat-Wechsel zwischen Geräte-Generationen kann KI-Modell-Kompatibilität gefährden (Re-Training nötig)
  • Zielgruppe ist ZfP-Personal mit ASNT-/DIN-EN-ISO-9712-Zertifizierung, keine Plug-and-Play-Lösung für Laien

Passt gut zu

Schiffbau-Werften: Strukturschweißnaht-Prüfung an Megablock-Sektionen (Druckbehälter, Stahl-Rumpf) Petrochemie: Rohrschweißnähte und Behälterwände Basis für KI-gestützte A-Scan-Klassifikations-Pipelines (CNN auf OmniScan-Exportdaten)

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Du betreibst regelmäßige Phased-Array-Ultraschallprüfung an Schweißnähten und brauchst weltweit anerkannte Hardware
  • Du planst, externe KI-/CNN-Modelle auf A-Scan-Rohdaten zu trainieren und brauchst eine stabile, standardisierte Datenquelle
  • Du arbeitest mit komplexen Geometrien (Rohrenden, Schweißwurzeln), wofür TFM oder Phase Coherence Imaging gefordert ist
  • Du musst Prüfberichte für Lloyd's, DNV, Bureau Veritas oder ähnliche Klassifikationsgesellschaften ausstellen

Wann nein

  • Du brauchst sofort einsatzbereite KI-Defektklassifikation aus dem Karton, die liefert auch der X4 nicht
  • Dein Budget liegt unter 30.000 EUR und du brauchst nur gelegentliche Wandstärken-Prüfung (dafür reichen einfachere UT-Geräte)
  • Du hast kein ASNT- oder DIN-EN-ISO-9712-zertifiziertes Personal, Phased-Array-Prüfung ohne ZfP-Qualifikation ist nicht erlaubt
  • Du suchst eine Cloud-Plattform mit zentraler Auswertung, OmniScan ist Geräte-zentriert, Cloud-Anbindung kein Standard

Kurzfazit

Der OmniScan X4 ist der Industriestandard für tragbare Phased-Array-Ultraschallprüfung, und in dieser Liga konkurrenzlos breit aufgestellt. Schiffbauwerften, Petrochemie-Inspektoren und Luftfahrt-Wartungsbetriebe nutzen das Gerät weltweit, alle relevanten Klassifikationsgesellschaften (Lloyd’s, DNV, Bureau Veritas) akzeptieren die Ergebnisse, und die Freeware OmniPC 6 ermöglicht die Nachauswertung ohne Gerät. Stärke und Schwäche zugleich: Die KI-Analyse ist nicht im Gerät, sondern im externen Workflow, der X4 liefert standardisierte, exportierbare Rohdaten, die in eigene CNN-Pipelines fließen. Wer einen schlüsselfertigen „KI-NDT-Roboter” erwartet, ist hier falsch; wer eine seriöse Datenquelle für eigene ML-Modelle braucht, ist hier richtig. Investitionsentscheidung mit langem Horizont: Hardware ab 35.000 EUR, X3 ist abgekündigt, X4 ist der Zukunftspfad.

Für wen ist der OmniScan X4?

Schiffbau-Werften und maritime Klassifikations-Prüfer: Stumpfnaht-, Kehlnaht- und Wurzelprüfung an Megablock-Sektionen, Druckbehältern, Rumpfplatten, die typische Schiffbau-PAUT-Anwendung ist genau das, wofür der OmniScan über 20 Jahre kontinuierlich entwickelt wurde. Die Akzeptanz bei Lloyd’s, DNV, Bureau Veritas und ABS ist Standard, was die Auditierbarkeit der Prüfergebnisse vereinfacht.

Petrochemie und Anlagenbetreiber: Rohrleitungs-Inspektionen (HIC, SOHIC, Korrosionsverdacht), Behälterwand-Prüfungen und periodische Wiederkehrende Prüfungen nach DGUV oder Betriebssicherheitsverordnung. Die Robustheit (IP65, 5–7 kg, 10,6-Zoll-Display) macht das Gerät für Außenanlagen-Einsätze auch im Winter und unter Druckluft-Atemschutz brauchbar.

Luftfahrt-Wartung und Triebwerks-Service: Composite- und Metallprüfung an Verbundwerkstoffen, Triebwerk-Komponenten und Strukturteilen. TFM und Phase Coherence Imaging liefern hier in geometrisch komplexen Bauteilen die nötige Auflösung, wo klassische S-Scans zu unscharf werden, kommen die fortgeschrittenen Bildgebungs-Modes zum Tragen.

Forschungsgruppen und Industrie-Labs, die KI-NDT-Pipelines bauen: Wer ein CNN oder Transformer-Modell auf annotierte A-Scan-Daten trainieren will, braucht eine reproduzierbare Datenquelle mit klarem Export-Format. Der OmniScan X4 ist hier eine der zwei oder drei realistischen Optionen weltweit, die exportierten .odat-Dateien lassen sich strukturiert weiterverarbeiten, sofern Kalibrierung und Scan-Konfiguration sauber dokumentiert sind.

Industrielle Dienstleister mit gemischtem Kundenstamm: ZfP-Dienstleister, die für unterschiedliche Auftraggeber (Werft, Pipeline-Betreiber, Mittelstand-Maschinenbau) arbeiten, profitieren von der Marktreichweite, fast jeder Auftraggeber kennt die Marke, die Prüfprotokolle sind branchenüblich, und Kalibrier-Wedges sind global verfügbar.

Weniger geeignet für: Anwender ohne ZfP-Personalqualifikation (Phased-Array nach DIN EN ISO 9712 Stufe 2 ist faktisch Pflicht), kleine Mittelständler mit gelegentlichem Bedarf (für Wandstärke oder einfache UT reichen Geräte für ein Zehntel des Preises), Betriebe, die einen schlüsselfertigen KI-Defekt-Klassifikator erwarten (den liefert der X4 nicht, siehe Schwächen), und Investitionsentscheider, die rein cloud-basierte Tools für die Auswertung suchen.

Preise im Detail

VariantePreis (Hardware)Was du bekommst
OmniScan X3 (Restbestände)25.000–45.000 EURAbgekündigt; nur noch Restmarkt, Ersatzteilversorgung läuft mittel- bis langfristig aus
OmniScan X4 64:128PRab ca. 35.000 EURAktuelle Standardvariante mit 64 Pulser / 128 Receiver-Elementen, TFM, PCI, PWI
OmniScan X4 128:128PRAufpreis gegenüber 64:128PRMaximalvariante mit 128 Pulser / 128 Receiver für komplexe Anwendungen; X4-64:128PR-Geräte sind upgradebar
Phased-Array-Sonden2.000–8.000 EUR/StückVerschiedene Frequenzen (2,25–10 MHz), Element-Anzahlen und Wedges je nach Anwendung
Encoder, Scanner-Frames1.500–10.000 EURMechanisierte Scan-Aufnahmen für reproduzierbare Schweißnaht-Inspektion
OmniPC 6 Analysesoftware0 EUR (Freeware)Desktop-Auswertung, Berichtgenerierung, Datenaustausch, keine Geräteanbindung nötig
Schulung & Zertifizierung1.500–5.000 EUR/PersonEvident-Trainings oder akkreditierte ZfP-Stellen (z. B. DGZfP-Akademie)

Einordnung: Ein vollständiges OmniScan-X4-Bundle (Gerät + Sonde + Encoder + Wedges + Kalibrierblock + Schulung) bewegt sich realistisch bei 50.000–70.000 EUR Einmal-Investment. Wartung über die Evident-Service-Verträge liegt typisch bei 8–12 % des Hardware-Preises pro Jahr. Sweetspot ist ein ZfP-Dienstleister oder Betrieb, der pro Jahr 200+ Schweißnaht-Prüfungen vornimmt, dort amortisiert sich die Investition über vermiedene Fremdvergabe-Kosten in 12–24 Monaten. Wer weniger als 50 Prüfungen pro Jahr braucht, sollte rechnen, ob Auftragsfertigung über einen ZfP-Dienstleister wirtschaftlicher ist. Wichtig: OmniPC 6 als Freeware ist ein entscheidender Punkt, anders als bei manchen Wettbewerbern muss man für die Auswertungsplätze keine Zusatzlizenz kaufen, was Teamarbeit deutlich verbilligt.

Stärken im Detail

Industrie-Standard mit globaler Akzeptanz. Wer mit dem OmniScan prüft, erstellt Berichte, die nahezu jede Klassifikationsgesellschaft (Lloyd’s Register, DNV, Bureau Veritas, ABS, ClassNK) und jede relevante Norm (ISO 17640, ASME V Art. 4, EN ISO 13588) ohne Diskussion akzeptiert. Das spart bei internationalen Aufträgen wochenlange Diskussionen über Geräte-Eignung. Für ZfP-Dienstleister, die in mehreren Klassifikations-Kontexten arbeiten, ist diese Universalakzeptanz allein schon ein starkes Argument.

OmniPC 6 als kostenlose Auswertungs-Workbench. Die Freeware ist ein echter Unterschied im Markt: Auswertungs-Personen, externe Gutachter und ML-Datenscientists können die .odat-Dateien auf eigenen Rechnern öffnen, A-Scans inspizieren und Reports erstellen, ohne dass jede Person ein OmniScan-Gerät braucht. Das senkt die Eintrittsschwelle für KI-Datenpipelines erheblich. Für die Annotations-Phase (ZfP-Level-III-Prüfer kennzeichnet Defekttypen in Trainings-Datensätzen) ist OmniPC 6 das pragmatische Standardwerkzeug.

TFM, PCI und PWI für komplexe Geometrien. Konventionelle Phased-Array-Bildgebung stößt an Grenzen, wenn die Geometrie unregelmäßig wird (Rohrenden mit T-Stutzen, Schweißwurzeln mit Wurzeldurchhang, Composite-Verbunde mit anisotropem Verhalten). Total Focusing Method (TFM) berechnet aus Full Matrix Capture-Daten ein schärferes Bild, Phase Coherence Imaging (PCI) hebt kleine Defekte amplituden-unabhängig hervor, Plane Wave Imaging beschleunigt die Aufnahme. Diese drei Modi sind 2026 der Stand der Kunst, und der OmniScan X4 hat sie als Standard.

Upgrade-Pfad statt Geräte-Tausch. Wer 2023 einen X4 64:128PR gekauft hat, kann ihn laut Evident auf X4 128:128PR aufrüsten, statt ein neues Gerät zu kaufen. Das ist im Industrie-Hardware-Markt nicht selbstverständlich, viele Wettbewerber zwingen zum Vollersatz. Für die Investitionsplanung ein klarer Pluspunkt.

Robuste Hardware für den Feldeinsatz. IP65-zertifiziert, betriebsfähig zwischen -10 °C und +45 °C, drop-getestet nach MIL-STD-810G, mit 10,6-Zoll-Touchdisplay (resistiv, auch mit Handschuhen bedienbar) auch bei direktem Sonnenlicht ablesbar, Akkuwechsel im laufenden Betrieb. Das sind nicht spektakuläre Features, aber sie sind der Unterschied, ob das Gerät auf einer Werft im Winter unter Plane funktioniert oder ausfällt.

Rohdaten-Export für ML-Pipelines. Die .odat-Dateien enthalten A-Scan-Zeitreihen pro Messposition, was eine direkte Eingabe für Convolutional Neural Networks (1D-CNNs auf Zeitreihen, 2D-CNNs auf S-Scan-Bildern) erlaubt. Für die rohe Full-Matrix-Capture-Datenerfassung (die Basis eigener TFM- oder ML-Rekonstruktionen) braucht es allerdings ein 64:128PR- oder 128:128PR-Modell sowie die offene NDT Device API oder die Black Box App, die das Gerät per Akquisitions-Software fernsteuern. Wer eine eigene KI-NDT-Pipeline baut, hat damit eine Datenquelle, die auch in fünf Jahren noch lesbar sein wird, sofern die Scanning-Konfiguration eingefroren bleibt (siehe Schwächen).

Schwächen ehrlich betrachtet

Keine integrierte KI im Gerät. Wer 2026 ein Phased-Array-Gerät kauft und KI-Automatik im Karton erwartet, ist beim OmniScan X4 falsch. Defektklassifikation per Deep Learning, automatische Befund-Vorschläge oder semantische Segmentierung der S-Scans gibt es nicht nativ, diese Funktionen müssen durch externe ML-Pipelines auf den exportierten Rohdaten realisiert werden. Konkurrenten wie M2M (Eddyfi) experimentieren stärker mit Built-in-KI, aber im aktuellen X4-Stand-by 2026 ist das im Workflow getrennt. Für Käufer, die selbst eine ML-Pipeline aufbauen können, ist das ein Vorteil (offene Datenarchitektur), für alle anderen eine Lücke.

Hoher Hardware-Einstieg ohne Mietalternative. 35.000 EUR aufwärts für ein einziges Gerät plus Sonden, Encoder und Schulung ist eine substanzielle Investition. Evident bietet im Standard kein Mietmodell oder Pay-per-Use, wer eine punktuelle Prüfung braucht, muss entweder kaufen oder einen Dienstleister beauftragen. Für saisonale Anwendungen (z. B. Werften, die nur zu Megablock-Phasen prüfen) ist das ungünstig.

X3 abgekündigt, Investitionsplanung anpassen. Die OmniScan X3 ist (Stand 2024/2025) abgekündigt. Wer aktuell noch X3-Restbestände findet, sollte die Ersatzteilversorgungs-Roadmap explizit erfragen. Für Neuanschaffungen ist der X4 die richtige Wahl; bestehende X3-Flotten müssen mittelfristig migriert oder zumindest mit X4-Geräten ergänzt werden, sobald TFM/PCI auf der Spec-Liste auftauchen.

Kalibrierung muss eingefroren werden für KI-Pipelines. Jedes ML-Modell ist nur so reproduzierbar wie die Datenpipeline, auf der es trainiert wurde. Wer ein CNN auf X4-Daten trainiert, muss Sondenfrequenz, Scan-Auflösung, Verstärkungseinstellung, Wedge-Geometrie und Encoder-Schrittweite strikt standardisieren und in der QM-Dokumentation einfrieren. Jede nachträgliche Konfigurationsänderung invalidiert das Modell, diese Disziplin ist im operativen Prüfbetrieb regelmäßig die größere Herausforderung als das ML selbst.

Datenformat-Wechsel zwischen Geräte-Generationen. Der Übergang von X3 zu X4 hat Datenstruktur-Änderungen mit sich gebracht. Wer ein CNN-Modell auf X3-Daten trainiert hat und auf X4 wechselt, sollte mindestens eine Re-Validierung, idealerweise ein Re-Training mit X4-Daten durchführen. Auch innerhalb der X4-Familie können Firmware-Updates die Datenstrukturen beeinflussen, die internen ML-Engineers müssen das auf dem Radar haben.

Personalqualifikation als verstecktes Kostenelement. Phased-Array-Ultraschall darf in Deutschland nur von Personen mit ZfP-Personalqualifikation nach DIN EN ISO 9712 Stufe 2 oder höher angewendet werden. Schulung und Zertifizierung kosten 1.500–5.000 EUR pro Person plus mehrere Wochen Lernzeit. Wer ein Gerät ohne qualifiziertes Personal kauft, muss das parallel einplanen, oder fest entscheiden, mit externen ZfP-Dienstleistern zu arbeiten.

Kein natives Cloud-Backend. Der OmniScan X4 sammelt Daten auf interner SSD (64 GB–1 TB) und überträgt sie via USB oder Netzwerk. Eine echte Cloud-Synchronisation mit zentralem Berichts-Repository, Multi-Geräte-Sync und Mandanten-Workflow gibt es nicht out-of-the-box, wer das braucht, baut es selbst oder nutzt Drittsysteme. Im Vergleich zu modernen Cloud-NDT-Plattformen ist das ein konzeptioneller Rückstand.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
Synthetische Trainingsdaten oder Simulation für ML-Modelle brauchstCIVA
Eine alternative NDT-Methode für Serienteile suchst (Resonanztest statt UT)Vibrant PCRT

Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: M2M (Eddyfi Technologies) als der direkte Wettbewerber im High-End-PAUT-Segment, vergleichbar leistungsfähig, in manchen Workflows tiefer in Richtung Cloud und KI integriert. Sonatest (UK) und Krautkrämer (Baker Hughes) als etablierte Alternativen, vor allem im Mittelmarkt-Segment. Doppler/Sonotron NDT als günstigere Variante mit eingeschränkterer TFM-Tiefe. Olympus EPOCH-Serie für klassische Single-Element-UT (kein Phased-Array, andere Anwendungsklasse, aber günstiger). TPAC für Forschungs- und Spezialprüf-Anwendungen mit voller Full-Matrix-Capture-Kontrolle. Für serienreife KI-NDT-Pipelines bleibt der OmniScan X4 plus eigene ML-Schicht der pragmatischste Pfad, die wirklich produktreifen „End-to-End-KI-PAUT”-Angebote im Markt sind 2026 noch dünn gesät.

So steigst du ein

Schritt 1: Bedarf klären und passende Variante wählen. Kontaktiere die deutsche Evident-Niederlassung (Hamburg) und beschreibe deinen Anwendungsfall: Welche Bauteile (Schweißnaht, Druckbehälter, Composite-Schichtung)? Welche Blechdicken? Welche Klassifikationsgesellschaft? Welche Norm? Daraus ergibt sich die Variante (X4 64:128PR reicht für die meisten Schweißnahtprüfungen; X4 128:128PR für komplexe TFM-Anwendungen oder Mehr-Element-Sondenkonfigurationen) und die Sondenausstattung. Für KI-Pipelines: zusätzlich klären, welches Export-Format dein Datenscientist erwartet und ob Encoder-Daten zwingend mitgespeichert werden.

Schritt 2: OmniPC 6 installieren und Pilot-Workflow trainieren. Lade OmniPC 6 (Freeware) und gib auch externen ML-Engineers Zugriff. Plane parallel die Schulung der ZfP-Prüfer: typisch zwei Wochen für Phased-Array-Stufe-2 plus Geräte-Einweisung durch Evident. Bevor produktiv geprüft wird, ein Pilot mit dokumentierter Scanning-Konfiguration (Sondenfrequenz, Auflösung, Verstärkung, Wedge-Geometrie) durchlaufen und diese Konfiguration im QM-System einfrieren, alles, was ML-Modelle später nutzen sollen, hängt an dieser Stabilität.

Schritt 3: KI-Pipeline schrittweise aufbauen (falls geplant). Wenn KI-Defektklassifikation das Ziel ist: Starte mit 1.500–3.000 annotierten A-Scans, kategorisiert von einem ZfP-Level-III-Prüfer (Pore, Bindefehler, Riss, Schlackeneinschluss, ohne Befund). Trainiere ein 1D-CNN auf den A-Scan-Zeitreihen oder ein 2D-CNN auf den S-Scan-Bildern. Wichtig: Der ML-Output ersetzt nicht die ZfP-Verantwortlichkeit, der Prüfer signiert weiterhin den Befund, die KI dient als Vor-Klassifikator zur Effizienzsteigerung. Validierung gegen einen Test-Datensatz mit bekannten Defekten, dann Pilotbetrieb mit Stichprobenkontrolle, erst dann produktiv.

Ein konkretes Beispiel

Eine norddeutsche Werft (700 Mitarbeitende, Spezialschiffbau) prüft Stumpfnähte an 20-mm-Stahlplatten in Megablock-Sektionen mit dem OmniScan X4 64:128PR und einer 5-MHz-Phased-Array-Sonde. Pro Megablock fallen 4–6 TB OmniScan-Scandaten (.odat-Format) an, klassisch braucht ein ZfP-Level-II-Prüfer 3–4 Wochen für die vollständige Auswertung. Die Werft hat 2025 in Kooperation mit einem Fraunhofer-Institut eine KI-Pipeline aufgebaut: Der externe ML-Engineer exportiert A-Scan-Zeitreihen als 1D-Arrays pro Messposition, ein ZfP-Level-III-Prüfer annotiert 2.400 davon mit Defektklassen (Pore, Bindefehler, Riss, o. B.). Das trainierte CNN klassifiziert anschließend bei neuen Megablöcken 85 % der Scans als unauffällig, der Level-II-Prüfer prüft nur noch die übrig bleibenden 15 % manuell nach. Prüfzeit pro Megablock: von 3–4 Wochen auf 7–8 Tage, das entspricht rund 70 % Effizienzgewinn in der Befundungsphase. Investition: 60.000 EUR Hardware, 25.000 EUR ML-Entwicklung, 12.000 EUR Annotations-Arbeit, amortisiert nach drei Megablöcken, da je Megablock rund 30.000 EUR Personalkosten eingespart werden. Die Klassifikationsgesellschaft (DNV) hat den Workflow nach Stichprobenkontrolle akzeptiert; die Letztverantwortung bleibt beim Level-III-Prüfer.

DSGVO & Datenschutz

  • Datenhosting: Lokal/Geräte-zentriert. Daten werden auf der internen SSD des OmniScan gespeichert (64 GB–1 TB), Transfer auf eigene Server via USB, Netzwerk oder Wechselmedium. Keine externe Cloud-Verbindung im Standard-Workflow.
  • Anbieter: Evident Scientific (vor 2022: Olympus IMS / Olympus Industrial Solutions, seit 2025 als Industrial-Inspection-Sparte Teil der Wabtec Corporation). DACH-Vertrieb über die Evident-Niederlassung Hamburg. Rechts- und Datenschutzhinweise laufen inzwischen über wabteccorp.com.
  • Personenbezogene Daten: In der Regel keine, verarbeitet werden Messdaten von Bauteilen, nicht von Personen. Lediglich Prüfer-Login-Daten im Gerät (für Audit-Trail) sind personenbezogen.
  • Auftragsverarbeitung (AVV): Nicht zwingend erforderlich, da die Datenverarbeitung lokal beim Anwender stattfindet. Bei Service-Verträgen mit Remote-Wartungs-Zugriff sollte ein AVV vereinbart werden.
  • Daten-Eigentum: Alle Scandaten gehören dem Anwender; Evident hat keinen Zugriff auf die Inhalte (außer bei explizit beauftragten Diagnose- oder Reparatur-Service-Vorgängen).
  • Empfehlung für Unternehmen: Für DSGVO-Compliance ist der OmniScan unkompliziert, weil die Daten gar nicht erst eine externe Cloud erreichen. Sensibilität entsteht erst, wenn Scandaten in externe ML-Pipelines oder in Cloud-basierte Reporting-Systeme fließen, dann gelten die DSGVO-Regeln der jeweiligen Drittplattform, nicht des Geräts selbst. Wer mit Auftraggeber-IP arbeitet (z. B. proprietäre Schweißverfahren in der Luftfahrt), sollte das Geräte-User-Management und die Datenzugriffe explizit dokumentieren.

Gut kombiniert mit

  • CIVA, CIVA simuliert Phased-Array-Inspektionen virtuell und kann synthetische Trainingsdaten für ML-Modelle erzeugen; CIVA UT Analysis liest OmniScan-Daten direkt ein. Ein produktiver Workflow kombiniert CIVA (Simulation, synthetische Daten) mit OmniScan (Realmessung, Annotation, Validierung), vor allem für Annotations-knappe Defektklassen ein echter Hebel.
  • Externe ML-Frameworks (PyTorch, TensorFlow, scikit-learn), Datenscientists trainieren CNN-Modelle auf OmniScan-Exportdaten. Der Workflow: OmniPC 6 oder eigene Parser lesen die .odat-Dateien, extrahieren A-Scans als NumPy-Arrays, Modelltraining in PyTorch, Modell-Inferenz dann entweder im Auswertungs-PC oder via API.
  • QM- und Reporting-Plattformen (z. B. Inspector Cloud, Sentinel ZfP, eigenentwickelte Systeme), der OmniScan liefert die Rohdaten, das QM-System koordiniert Prüfaufträge, archiviert Berichte und steuert Wiederkehrende Prüfungen. Sinnvoll, sobald mehrere Geräte und Standorte koordiniert werden müssen.

Unser Testurteil

Der OmniScan X4 verdient 4 von 5 Sternen. Als Industriestandard für tragbare Phased-Array-Ultraschallprüfung ist das Gerät 2026 weiterhin die Default-Wahl, kein anderer Anbieter hat eine vergleichbare Mischung aus Marktakzeptanz, technischer Tiefe (TFM, PCI, PWI), robuster Hardware und offener Datenarchitektur. Die kostenlose Freeware OmniPC 6 ist im Markt fast einzigartig und macht KI-Pipelines wirtschaftlich tragbar. Den fünften Stern verliert das Gerät durch die fehlende integrierte KI-Auswertung (die externe ML-Entwicklung verlangt Investitionen, die kleinere Anwender überfordern), die hohe Einstiegsschwelle (35.000 EUR aufwärts, keine Mietoption), den Wegfall des X3 ohne klaren Migrationspfad und das fehlende native Cloud-Backend. Für ZfP-Dienstleister, Werften, Petrochemie und Luftfahrt-Wartung bleibt der OmniScan X4 die strategische Default-Wahl, und der pragmatischste Einstiegspunkt für jeden, der ernsthaft eine KI-NDT-Pipeline auf Phased-Array-Daten bauen will.

Was wir bemerkt haben

  • 2022, Olympus IMS / Olympus Industrial Solutions wurde aus dem Olympus-Konzern ausgegliedert und unter dem neuen Namen Evident Scientific verselbstständigt. Die OmniScan-Marke blieb erhalten, die Domains und der DACH-Vertrieb (Hamburg) wurden neu strukturiert. Wer noch unter „Olympus” sucht, landet inzwischen entweder bei Evident (NDT, Mikroskopie) oder bei Olympus Medical, je nach Domäne.
  • Oktober 2024, Der OmniScan X4 wurde als Nachfolger des X3 vorgestellt, mit Total Focusing Method, Phase Coherence Imaging und Plane Wave Imaging als Standard. Zwei Varianten: X4 64:128PR (Standardvariante) und X4 128:128PR (Maximalvariante mit 128 Pulser/Receiver-Elementen).
  • 2024/2025, Der OmniScan X3 ist abgekündigt. Auf der Evident-Produktseite wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass „der X4 das eingestellte Produkt ersetzt”. Wer Restbestände kauft, sollte die Ersatzteil-Roadmap explizit erfragen, bei einem Industrie-Gerät mit 10+ Jahren Einsatzzeit ist die langfristige Versorgung kein Detail.
  • Upgrade-Pfad innerhalb X4, Bestehende OmniScan X4 64:128PR-Geräte lassen sich laut Anbieter auf X4 128:128PR aufrüsten. Das ist im Hardware-Markt nicht selbstverständlich und ein guter Investitionsschutz für früh gekaufte X4-Geräte.
  • 2025, Evident Industrial Inspection Technologies (NDT, inkl. OmniScan) wurde an die Wabtec Corporation veräußert. Auf den Produktseiten weist ein Banner auf die abgeschlossene Ausgliederung hin, die Rechts- und Datenschutz-Links zeigen inzwischen auf wabteccorp.com. Die OmniScan-Marke und die Domain ims.evidentscientific.com bleiben bestehen, der Eigentümer hat sich aber erneut geändert (nach Olympus 2022 zu Evident, nun unter Wabtec).
  • Modellpalette, Der OmniScan X4 ist nicht nur in den zwei oft genannten Varianten erhältlich, sondern in fünf: 16:64PR, 16:128PR, 32:128PR, 64:128PR und 128:128PR. FMC-Rohdatenerfassung (Voraussetzung für eigene TFM/ML-Rekonstruktion) ist laut Spezifikation nur bei den Modellen 64:128PR und 128:128PR und nur über die NDT Device API oder die Black Box App verfügbar.
  • OmniPC 6, Die kostenlose Auswertungs-Software heißt für den X4 inzwischen OmniPC 6 (zuvor OmniPC 5). Sie bleibt komplett kostenlos, ohne HASP-Key, Produktschlüssel oder Lizenzgebühr.
  • Juni 2026, Native KI-Funktionalität im Gerät bleibt aus. Evident kommuniziert keine konkrete Roadmap für integrierte CNN-basierte Defektklassifikation, wer das braucht, muss weiterhin extern entwickeln oder zu Wettbewerbern wie M2M/Eddyfi schauen, die in diese Richtung experimentieren. Die offene Datenarchitektur (kostenlose Freeware, klares Export-Format) ist im Gegenzug ein Designprinzip, das eigenständige KI-Pipelines erst möglich macht.

Quellen

  1. Evident – OmniScan X4 Produktseite. https://ims.evidentscientific.com/en/products/phased-array/omniscan-x4 (abgerufen am 2026-06-13). Modellvarianten 16:64PR bis 128:128PR, TFM, Phase Coherence Imaging (PCI) und Plane Wave Imaging (PWI) in den Spezifikationen, Upgrade-Pfad 64:128PR auf 128:128PR, IP65, MIL-STD-810G, 10,6-Zoll-Display, Betriebstemperatur -10 bis 45 °C, 1 TB SSD, 25 GB max. Dateigröße, FMC-Rohdaten nur bei 64:128PR/128:128PR via NDT Device API oder Black Box App, OmniPC 6 als kostenlose Companion-Software.
  2. Evident – OmniScan X3 (abgekündigt). https://ims.evidentscientific.com/en/products/flaw-detectors/omniscan-x3 (abgerufen am 2026-06-13). OmniScan X3 ist abgekündigt, Hinweis 'The OmniScan X4 has replaced this discontinued product', OmniPC als kostenlose Companion-Software ohne HASP-Key oder Lizenzgebühr.
  3. Evident – Divestiture an Wabtec Corporation. https://ims.evidentscientific.com/en/news/ims-divestiture (abgerufen am 2026-06-13). Evident Industrial Inspection Technologies wurde an die Wabtec Corporation veräußert.

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