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CAMPUS Plastics

CWFG mbH (Software: ehem. M-Base, heute Siemens)

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CAMPUS (Computer Aided Material Preselection by Uniform Standards) ist die weltweit führende, kostenlose Werkstoffdatenbank für Kunststoffe. Das Besondere: Alle Materialdaten wurden nach einheitlichen Normen (ISO 10350, ISO 11403) gemessen, PA6 von BASF ist dadurch direkt mit PA6 von Lanxess vergleichbar. Markeninhaber ist die CWFG mbH in Frankfurt am Main; die Software stammt von M-Base, die über Altair inzwischen zu Siemens gehört. Die Datenbank selbst ist klassisch (Filter, Vergleich, Export), KI-Funktionen kommen über das angeschlossene Simcenter Material Data Center von Siemens mit ML-basierter Eigenschaftsvorhersage.

Kosten: Online-Datenbank unter campusplastics.com/campus kostenlos, Desktop-Version CAMPUS 5.2 kostenlos. Finanziert durch teilnehmende Kunststoffhersteller. KI-basierte Erweiterungen über das Simcenter Material Data Center von Siemens (kostenpflichtig, Lizenz auf Anfrage).

Kategorien

Stärken

  • Einzige Datenbank mit wirklich vergleichbaren Daten nach einheitlichen Prüfnormen (ISO 527, ISO 178, ISO 75)
  • Mehr als 200 Eigenschaften je Materialgrad, mechanisch, thermisch, elektrisch, rheologisch
  • Kostenlos und ohne Registrierungspflicht für Recherche und Vergleich
  • Multipoint-Daten (Spannungs-Dehnungs-Kurven, pvT-Daten) für FEM-Simulation
  • Datenblätter in 10 Sprachen inkl. Deutsch, identisches Datenmodell weltweit
  • Daten direkt von mehr als 20 der weltgrößten Hersteller technischer Kunststoffe, ohne Filter Dritter

Einschränkungen

  • Enthält nur Materialien teilnehmender Hersteller, keine Vollabdeckung des Marktes
  • Keine KI-Vorhersage von Materialeigenschaften in der Free-Version (nur Lookup, kein Predictive Modelling)
  • Keine REACH/RoHS-Compliance-Aussagen oder Lebenszyklus-Daten integriert
  • Kein automatischer Eigenschafts-Abgleich gegen konkrete Bauteil-Lastfälle
  • Verarbeitungsempfehlungen (Spritzgussparameter) nur sehr begrenzt hinterlegt
  • Keine Lieferanten-Verfügbarkeits- oder Preisinformationen

Passt gut zu

Konstrukteure, die PA6, PA66, POM, ABS, PC, PPS oder andere Thermoplaste normgerecht vergleichen wollen Simulation-nahe Materialauswahl mit Multipoint-Daten für FEM (Zugversuch-Kurven, Kriechdaten) Vorselektion unter 5 bis 20 Kandidatenmaterialien nach mechanischen und thermischen Anforderungen Normengerechte Materialdokumentation für Bauteilfreigaben und Risikoanalysen

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Du brauchst vergleichbare Materialdaten nach einheitlichen Prüfnormen
  • Du suchst Multipoint-Daten (Zugkurven, pvT) für FEM-Simulationen
  • Du willst Materialien mehrerer Hersteller objektiv gegenüberstellen
  • Du brauchst Datenblätter für Konstruktionsfreigaben und QM-Dokumentation

Wann nein

  • Du erwartest KI-gestützte Materialempfehlungen aus deinen Lastfällen
  • Du brauchst Compliance-Daten zu REACH, RoHS oder PFAS-Vorgaben
  • Du suchst Preise oder Lieferzeiten für die Materialdisposition
  • Du willst recycelte Polymere oder Spezialgrades kleiner Anbieter abdecken

Kurzfazit

CAMPUS Plastics ist der De-facto-Standard für vergleichbare Kunststoff-Materialdaten, und ein Werkzeug, das es so im freien Markt schlicht kein zweites Mal gibt. Wer in der Konstruktion regelmäßig zwischen PA66, POM oder PBT abwägt, kommt an CAMPUS nicht vorbei: Alle Werte wurden nach denselben Prüfnormen gemessen, der Vergleich ist ohne Umrechnung gültig. Klassischer Datenbank-Workflow, kein KI-gestütztes Eigenschafts-Predictive-Modelling, kein automatischer Lastfall-Abgleich. Wer das will, braucht das Simcenter Material Data Center von Siemens oder spezialisierte ML-Tools. Für die Kernaufgabe „normgerechter Materialvergleich” bleibt CAMPUS aber unübertroffen, und kostenlos.

Für wen ist CAMPUS Plastics?

Konstrukteure und Entwicklungsingenieure: Wer im Spritzguss-Umfeld Bauteile auslegt, findet hier den schnellsten Weg zur Vorselektion. Eine Anforderung „PA66 GF30, HDT/A ≥ 130 °C, Zugfestigkeit ≥ 80 MPa” filtert in Sekunden auf eine Handvoll Kandidaten, alle mit identisch gemessenen Werten. Das ist der Punkt, an dem klassische Hersteller-PDFs versagen: Da ist „Zugfestigkeit” mal nach ISO, mal nach ASTM gemessen, bei unterschiedlichen Temperaturen, mit unterschiedlichen Probekörpern. CAMPUS löst das.

Simulationsingenieure: Multipoint-Daten, Spannungs-Dehnungs-Kurven über mehrere Temperaturen, pvT-Daten für die Spritzguss-Simulation, Kriechmodul über Zeit, sind das Herzstück seriöser FEM-Auslegung. CAMPUS liefert sie nach ISO 11403 für die meisten gelisteten Grades. Wer mit Cadmould, Moldflow, LS-DYNA oder Abaqus arbeitet, importiert von hier direkt.

Einkauf und Lieferantenmanagement: Zwar enthält CAMPUS keine Preise, aber für Zweitlieferanten-Strategien ist es Gold wert. Wer einen freigegebenen PA66-GF30-Grade von Hersteller A absichern will, findet hier in Minuten technisch äquivalente Alternativen von Hersteller B und C, mit Datenblättern, die in der QM-Akte stehen können.

Werkstofflabore und Qualitätssicherung: Für Eingangs- und Schadensanalysen liefert CAMPUS die Referenzwerte, gegen die gemessene Werte abgeglichen werden. Auch für Reklamationen und Lieferanten-Disputes ist ein normbasiertes Datenblatt belastbarer als ein hersteller-eigenes Marketing-PDF.

Bildung und Lehre: An technischen Hochschulen ist CAMPUS seit den 1990ern Pflichtwerkzeug in Werkstoff- und Kunststoff-Vorlesungen. Studierende lernen normgerechte Datenarbeit, eine Fertigkeit, die im Berufsalltag direkt nutzbar bleibt.

Weniger geeignet für: Anwender, die KI-gestützte Materialvorhersagen aus eigenen Lastfällen erwarten (ChemCopilot oder das Simcenter Material Data Center von Siemens sind dort näher dran), für REACH/RoHS-/PFAS-Compliance-Recherchen (separate Datenquellen notwendig), und für Bauteilauslegungen, in denen Recycling-Anteile oder Bio-Kunststoffe von Nischenanbietern eine Rolle spielen.

Preise im Detail

PlanPreisWas du bekommst
Online-Zugriff0 €Vollständige Datenbank, Filter, Vergleich, Datenblatt-Download, Multipoint-Diagramme
CAMPUS 5.2 Desktop0 €Offline-Version, alle Daten lokal, Excel-Export, ideal für CAD-Umfeld ohne Internet
Hersteller-ErweiterungindividuellEinzelne Hersteller bieten ergänzende Tools (z. B. BASF Ultrasim, Lanxess HiAnt)
Simcenter Material Data Centerauf AnfrageKI-Erweiterung von Siemens: über 90.000 Datensätze von 400+ Herstellern, ML-Eigenschaftsvorhersage, generativer KI-Co-Pilot, SaaS oder On-Premise

Einordnung: Der zentrale Wert von CAMPUS ist seine Kostenlosigkeit kombiniert mit Datenqualität, finanziert durch die teilnehmenden Hersteller, die ein Interesse daran haben, dass ihre Materialien in einer vergleichbaren Form gelistet werden. Eine kommerzielle Alternative dieser Tiefe gibt es nicht. Wer KI-gestützte Vorhersage von Eigenschaften (z. B. für Materialgrades, die noch nicht offiziell vermessen wurden) braucht, kommt mittelfristig zum Simcenter Material Data Center von Siemens, das ist aber eine Enterprise-Lizenz mit fünf- bis sechsstelligen Jahreskosten. Für 95 % der Konstruktions-Aufgaben reicht die kostenlose CAMPUS-Version vollständig aus.

Stärken im Detail

Normierung ist der entscheidende Hebel. Das ist der eigentliche Wert von CAMPUS, und der Grund, warum Hersteller-PDFs ihn nicht ersetzen können. Jeder Hersteller-Datenblatt verwendet leicht andere Prüfbedingungen, leicht andere Probekörper, andere Temperaturpunkte. In CAMPUS ist jedes Datenblatt nach ISO 10350 (Single-Point) und ISO 11403 (Multipoint) strukturiert. Wer zwei Materialien vergleicht, vergleicht vergleichbare Zahlen, nicht Marketing-Zahlen.

Multipoint-Daten für ernsthafte Simulation. ISO-11403-Daten umfassen Spannungs-Dehnungs-Kurven bei -40 °C, 23 °C, 80 °C und 120 °C, Schermoduln über Temperatur, Wärmeleitfähigkeit als Funktion der Temperatur, Kriechmoduln über Zeit und pvT-Diagramme. Das sind die Eingangsdaten, ohne die FEM-Berechnungen oder Spritzguss-Simulationen schlicht nicht aussagekräftig sind. In CAMPUS sind sie pro Materialgrad in einer Datei verfügbar, exportierbar als CAMPUS-XML oder CSV.

Hersteller-Diversität ohne Marktverzerrung. Aktuell sind alle großen Compounders gelistet: BASF, Lanxess, Covestro, Evonik, Solvay, DuPont, Celanese, Albis, LyondellBasell, SABIC, Toray, Mitsubishi Chemical, DOW. Das ist 90 % des relevanten europäischen und globalen Spritzguss-Marktes. Dass die Hersteller die Daten selbst pflegen, ist gleichzeitig Schwäche und Stärke, Daten kommen direkt aus den Werkslaboren, ohne Filter Dritter.

Mehrsprachigkeit auf dem gleichen Datenmodell. Die Datenblätter werden in zehn Sprachen ausgegeben, Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Japanisch, Chinesisch, Koreanisch und mehr. Der Inhalt bleibt identisch. Das ist für deutsche Maschinenbauer mit globalen Produktionsstandorten praktisch, die Konstrukteure in Mexiko und Korea sehen dasselbe Datenblatt wie der Lead Engineer in Stuttgart.

Offline-Verfügbarkeit als Versicherung. Die Desktop-Version CAMPUS 5.2 läuft komplett ohne Internetverbindung, wichtig in CAD-Umgebungen, die aus Sicherheitsgründen abgeschottet sind (Verteidigung, Luftfahrt, Automotive-Tier-1). Die Datenbasis wird offline aktualisiert via Update-Pakete, ohne Cloud-Zwang.

Großkonzern als belastbarer Träger. Die Marke CAMPUS gehört weiterhin der CWFG mbH in Frankfurt am Main, die Software stammte von M-Base und ist über die Altair-Übernahme inzwischen bei Siemens gelandet. Damit steht hinter dem zugehörigen Datenökosystem ein finanzstarker Konzern. Das beendet die Diskussion um Kontinuität, CAMPUS wird gepflegt und weiterentwickelt, weil die normierten Daten die kommerzielle Werkzeugkette (Simcenter, Material Data Center) speisen.

Schwächen ehrlich betrachtet

Klassische Datenbank, kein KI-Tool. Sei dir bewusst: CAMPUS selbst ist kein KI-gestütztes Werkzeug. Die Software macht Lookup, Filter, Vergleich und Export, alles, was man erwarten würde, aber nichts darüber hinaus. Wer „gib mir das beste Material für mein Bauteil unter folgenden Lastannahmen” eintippt, bekommt keine generative Empfehlung. Diese Lücke füllt das Simcenter Material Data Center von Siemens mit ML-Eigenschaftsvorhersage und generativem KI-Co-Piloten, ist aber kostenpflichtig und Enterprise-Vertrieb. In dieser Tool-Datenbank ist CAMPUS Plastics deshalb eher Infrastruktur als KI-Werkzeug, wir listen es, weil es der unbestrittene Standard im Workflow ist, mit dem KI-Materialwerkzeuge kombiniert werden.

Nur teilnehmende Hersteller. Wer einen kleinen Spezial-Compounder kennt, etwa einen norditalienischen Anbieter biobasierter Polyamide oder einen koreanischen Recyclat-Spezialisten, wird ihn in CAMPUS oft nicht finden. Die Datenbank ist exzellent für den Mainstream, dünn für Nische. Für Recyclate, Biokunststoffe und Drop-In-Substitute braucht es zusätzliche Quellen (z. B. M-Base Material Data Center oder direkt Hersteller-Datenblätter).

Keine Compliance-Layer. REACH, RoHS, ELV, EU-Verpackungs-VO, PFAS-Vorgaben, all das findet sich in CAMPUS nicht als filterbare Information. Wer ein Material für ein Medizinprodukt oder Lebensmittelkontakt wählt, muss die Compliance separat über die Hersteller-Datenblätter prüfen. In Zeiten, in denen Material-Compliance ein dominanter Auswahlfaktor geworden ist (PFAS-Diskussion 2024 bis 2026), ist das eine spürbare Lücke.

Keine Anwendungs- oder Verarbeitungsempfehlung. CAMPUS liefert Werkstoffdaten, nicht Verarbeitungsdaten. Spritzguss-Parameter (Schmelzetemperatur-Fenster, Trocknungsbedingungen, Werkzeugtemperaturen, Nachdruckprofile) sind nur rudimentär hinterlegt. Wer mit einem neuen Material in Produktion geht, braucht weiterhin den Hersteller-Anwendungstechniker oder spezialisierte Spritzguss-Tools wie Cadmould + Varimos oder Autodesk Moldflow.

UI wirkt aus einer anderen Zeit. Die Online-Oberfläche und die Desktop-Version sind funktional, aber optisch und ergonomisch nicht state-of-the-art. Filter sind tief verschachtelt, der Vergleich erfordert mehrere Klicks, ein Export von Mehrfach-Diagrammen ist umständlich. Für Power-User akzeptabel, für Einsteiger eine Lernhürde, die sich allerdings in 1 bis 2 Stunden überwinden lässt.

Wartungsstand der einzelnen Datensätze schwankt. Manche Materialgrades wurden zuletzt vor mehreren Jahren aktualisiert, andere monatlich. Wer einen kürzlich eingeführten Grade sucht, findet ihn manchmal noch nicht in CAMPUS, der Lag zwischen Marktstart und CAMPUS-Listung kann mehrere Monate betragen, in Einzelfällen länger.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
KI-gestützte Materialempfehlung aus Lastfällen brauchstChemCopilot
Volle Spritzguss-Simulation mit Werkstoffmodell willstCadmould + Varimos oder Autodesk Moldflow
Bauteilauslegung mit Crash-Simulation kombinieren willstAnsys LS-DYNA
In eine integrierte CAE-Suite mit Material-DB einsteigen willstAltair HyperWorks

Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: Material Data Center von M-Base (kommerzielles Schwesterprodukt mit erweiterter Datenbasis), Granta MI von Ansys (Enterprise-Material-Information-System für Großunternehmen, sechsstellig pro Jahr), MatWeb (kostenlose, aber nicht normierte US-Materialdatenbank) und IDES Prospector (UL-Datenbank, ähnliche Mechanik wie CAMPUS, breiter, aber kostenpflichtig). CAMPUS bleibt der einzige weltweit etablierte, kostenlose Standard mit normierten Daten, alles andere ist entweder teurer oder weniger vergleichbar.

So steigst du ein

Schritt 1: Geh direkt auf campusplastics.com/campus, keine Registrierung notwendig. Achtung: Die nackte Domain campusplastics.com leitet inzwischen auf die SIMCON-Marketingseite um, der Pfad /campus führt zur eigentlichen Datenbank. Wähle „Search” und steige direkt mit deinen Anforderungen ein. Wenn du häufig offline arbeitest oder mit abgeschotteten CAD-Stationen, lade die Desktop-Version CAMPUS 5.2 herunter, die Datenbasis ist identisch.

Schritt 2: Lerne den Eigenschafts-Filter sauber zu nutzen. Häufige Anforderungen kombiniert: Polymerklasse (PA66, PBT, POM), Füllstoff (GF30, MF20), Zugfestigkeit, HDT/A oder HDT/B, Schmelzindex (MFR), Schlagzähigkeit Charpy bei -30 °C. Trage Untergrenzen statt Punktwerte ein, sonst filterst du zu eng. Ein typischer Filter „PA66 GF30, Zugfestigkeit ≥ 80 MPa, HDT/A ≥ 130 °C” liefert eine handhabbare Kandidatenliste von 10 bis 20 Grades.

Schritt 3: Vergleichsansicht nutzen, selektiere 3 bis 5 Kandidaten und öffne die Side-by-Side-Tabelle. Achte besonders auf Datenpunkte, die im Datenblatt oft fehlen: Charpy bei -30 °C, Kriechmodul bei Dauerlast, Wärmeformbeständigkeit HDT/A bei 1,8 MPa. Exportiere die Vergleichstabelle als PDF, das gehört in jede Bauteilfreigabe-Akte.

Schritt 4 (optional): Multipoint-Daten direkt in dein Simulationswerkzeug importieren. CAMPUS liefert XML-Dateien, die Cadmould, Moldflow, LS-DYNA und Abaqus lesen können. Damit reichen die Kurven über Temperatur und Zeit direkt in die FEM-Berechnung, du sparst dir das Abtippen aus PDF-Datenblättern.

Ein konkretes Beispiel

Ein Entwicklungsingenieur bei einem mittelständischen Automobilzulieferer in Mittelfranken (185 Mitarbeitende, Schwerpunkt Spritzguss-Funktionsteile für den Motorraum) entwickelt einen neuen Halter für einen E-Fahrzeug-Ladeport. Anforderungen: Dauergebrauchstemperatur 130 °C, Zugfestigkeit ≥ 80 MPa, Schlagzähigkeit Charpy gekerbt ≥ 8 kJ/m² bei -30 °C, Spritzguss-fähig in einer 600-Tonnen-Maschine. In CAMPUS filtert er auf „PA66, Glasfaser 30 %, HDT/A ≥ 130 °C, Charpy gekerbt -30 °C ≥ 8”, Treffer: 14 Materialien von vier Herstellern (BASF, Lanxess, Domo, DuPont). Vergleichsansicht zeigt, dass zwei Grades nominell identische Werte aufweisen, sich aber im Kriechmodul bei 120 °C über 1.000 h unterscheiden. Mit dem CAMPUS-XML der drei Finalisten füttert er die FEM-Simulation in Ansys LS-DYNA und prüft die Verformung unter Lebenszyklus-Last. Zeitersparnis gegenüber Hersteller-Datenblatt-Vergleich: ca. 1 Arbeitstag. Statt fünf PDF-Datenblätter manuell durchzukämmen, hat er in zwei Stunden eine begründete, dokumentierte Vorauswahl mit Multipoint-Daten, bereit für die Bauteilfreigabe.

DSGVO & Datenschutz

  • Betreiber: Marke und Datenbank gehören der CWFG mbH in Frankfurt am Main (Markenhinweis auf der Seite, Stand 2026). Die Software-Entwicklung stammt von M-Base, das über Altair zu Siemens gehört.
  • Datennutzung: Keine Account-Pflicht für die Standard-Datenbankrecherche. Die Seite setzt nach eigener Angabe „privacy-friendly analytics” ein, die jederzeit über die Datenschutzerklärung deaktiviert werden können. Suchanfragen werden zu statistischen Zwecken aggregiert, nicht personenbezogen vermarktet.
  • Cookies / Tracking: Datenschutzfreundliche Nutzungsanalyse mit Opt-out. Funktionale Cookies für den Datenbankbetrieb.
  • Auftragsverarbeitung (AVV): Für die Free-Nutzung nicht relevant (keine personenbezogenen Daten in der Bauteilkonstruktion). Bei Anbindung an das Simcenter Material Data Center oder eine Enterprise-Integration ist der AVV mit Siemens zu klären.
  • Empfehlung für Unternehmen: Für die reine Material-Recherche datenschutzunkritisch, Bauteilkonstruktion enthält in der Regel keine personenbezogenen Daten. Wer firmeneigene Materialgrades in das Material Data Center hochlädt, sollte die geltenden Geheimhaltungsregeln und den IP-Schutz vorab klären.

Gut kombiniert mit

  • Cadmould + Varimos, CAMPUS liefert die normierten Multipoint-Werkstoffdaten, Cadmould/Varimos rechnet damit Spritzguss-Füllbilder, Schwindung und Verzug. Der Workflow ist nahtlos: CAMPUS-XML exportieren, in Cadmould importieren, simulieren.
  • Autodesk Moldflow, die andere große Spritzguss-Simulationsumgebung. Auch Moldflow kann CAMPUS-Daten direkt einlesen. Welche Suite man wählt, hängt eher von der bestehenden CAE-Landschaft ab, die Material-DB im Hintergrund ist beide Male CAMPUS.
  • Altair HyperWorks, wer in der Altair- bzw. Siemens-Welt arbeitet, bekommt CAMPUS-Daten als nahtlose Integration über das Material Data Center. Multiphysik-Simulation und Material-Lookup verschmelzen zu einem Workflow.

Unser Testurteil

CAMPUS Plastics verdient 4 von 5 Sternen, innerhalb seiner Disziplin sogar 5, gemessen an der Lücke, die es schließt. Es ist die unbestrittene Referenz für normgerechte Kunststoff-Materialdaten, kostenlos verfügbar und in der Spritzguss-Konstruktion täglich im Einsatz. Den fünften Stern verlieren zwei Aspekte: Erstens ist CAMPUS bewusst kein KI-Werkzeug, Lookup und Vergleich, kein Predictive Modelling, keine generative Empfehlung. Wer „intelligente” Materialwahl erwartet, ist hier am falschen Ort. Zweitens ist die UI sichtbar in die Jahre gekommen, die Filter sind verschachtelt, der Workflow erfordert Einarbeitung. Beide Punkte sind verschmerzbar gemessen am Wert, aber sie kosten Sterne. Wer Spritzguss-Materialien wählt: CAMPUS gehört in den Werkzeugkasten, ohne Diskussion.

Was wir bemerkt haben

  • 2023, Altair Engineering hat M-Base übernommen, den langjährigen Software-Partner von CAMPUS. Damit endete eine Phase organisatorischer Unsicherheit, M-Base war als mittelständischer Aachener Anbieter über Jahre die zentrale Risikofrage rund um CAMPUS, jetzt ist die Plattform Teil einer börsennotierten Gruppe.
  • 2024, Altair wurde von Siemens übernommen (Closing Anfang 2025). CAMPUS ist damit indirekt Teil von Siemens Digital Industries Software. Das stärkt die Kontinuität weiter, könnte aber mittelfristig dazu führen, dass CAMPUS näher an Siemens-Tools (NX, Teamcenter) heranrückt, bislang ist davon nichts spürbar.
  • Juni 2026, Das frühere Altair Material Data Center ist jetzt das Simcenter Material Data Center von Siemens. Die Adresse altair.com/material-data-center leitet auf die Siemens-Produktseite weiter. Die Eckdaten bestätigen sich: über 90.000 kuratierte Datensätze von 400+ Herstellern, ML-gestützte Eigenschaftsvorhersage und ein neuer generativer KI-Co-Pilot, wahlweise als SaaS oder On-Premise. Das ist der KI-Teil des Ökosystems, die kostenlose CAMPUS-Datenbank bleibt ein klassisches Lookup-Werkzeug.
  • Juni 2026, Die nackte Domain campusplastics.com leitet inzwischen auf simcon.ai (SIMCON, Hersteller der Spritzguss-Simulation Cadmould) weiter. Die eigentliche CAMPUS-Materialdatenbank liegt unter campusplastics.com/campus und ist dort unverändert kostenlos erreichbar. Wer den alten Link aufruft, landet zunächst auf einer Simulations-Marketingseite, das ist verwirrend, aber die Datenbank selbst läuft weiter.
  • Juni 2026, Der Markenhinweis auf der Datenbank weist weiterhin die CWFG mbH, Frankfurt am Main als Markeninhaber aus (Stand 2026). Die Datenbank zählt nach eigener Angabe über 100.000 Datenblatt-Aufrufe pro Monat und bündelt Daten von mehr als 20 der weltgrößten Hersteller technischer Kunststoffe. Am kostenlosen Free-Modell rüttelt niemand, es ist zu zentral für die Hersteller-Mitglieder, als dass eine Bezahlpflicht durchsetzbar wäre.

Quellen

  1. CAMPUSplastics: Datenbank-Startseite. https://www.campusplastics.com/campus/de (abgerufen am 2026-06-13). Kostenlose Online-Datenblätter, vergleichbare Daten nach einheitlichen Prüfnormen, Daten von mehr als 20 der weltgrößten Hersteller, 10 Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch, Japanisch, Chinesisch, Koreanisch), über 100.000 Datenblatt-Aufrufe pro Monat, Marke der CWFG mbH Frankfurt am Main.
  2. Siemens: Simcenter Material Data Center. https://www.siemens.com/en-us/products/simcenter/materials-science-management/material-data-center/ (abgerufen am 2026-06-13). Über 90.000 kuratierte Datensätze von 400+ Herstellern, KI/ML-gestützte Eigenschaftsvorhersage und generativer KI-Co-Pilot, als SaaS oder On-Premise; altair.com/material-data-center leitet auf diese Siemens-Seite weiter.

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